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Mali: Insel der Ruhe - Das Migrationszentrum in Gao

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Eine der wichtigsten Migrationsrouten durch die Sahara führt über Mali nach Südalgerien und dann nach Nordafrika, vor allem auch nach Libyen. Weil im Nachbarland Niger die Kontrollen zugenommen haben, wird diese Route durch Mali derzeit stark frequentiert. Die nordmalische Stadt Gao liegt auf dieser Route und ist auch für alle, die in umgekehrte Richtung von Norden kommend wieder in den Süden reisen, eine wichtige Station.

Erst verstoßen, dann erpresst

Seit 2018 kommen vor allem Migranten und Migrantinnen in die nordmalische Kleinstadt Gao, die aus Algerien abgeschoben wurden. In der Regel sind es algerischen Sicherheitskräfte, die Migranten im Grenzgebiet zu Mali aussetzen oder gar unter Androhung von Gewalt zum Grenzübertritt nach Mali zwingen. Die Grenzregion wird von bewaffneten Gruppen kontrolliert. Zahlreiche Migranten, die hier abgeladen werden, sind diesen Gruppen ausgesetzt. Sie werden beraubt oder gefangen gehalten, um von Angehörigen Geld zu erpressen.

Bei ihrer Ankunft in Gao sind die Migranten zumeist mittellos und körperlich oft am Ende ihrer Kräfte. Sie sind weder in der Lage, sich zu versorgen, noch die Kosten für ihre Weiterreise zu tragen. Nach tage- und wochenlangen Strapazen sind viele in einem kritischen Gesundheitszustand und benötigen ärztliche Versorgung. Für die Mehrheit der Migranten ist Gao eine Durchgangsstation, sie möchten in der Regel ihre Weiterreise schnellstmöglich fortsetzen.

Gruppe von Mitarbeitenden des Zentrums vor einer WandtafelEine Wandtafel am Eingang des Zentrums weist auf die Gefahren einer Wüstendurchquerung hinOrtscaritas Gao

In der Region Gao hat sich die Ausbeutung von Migranten und Migrantinnen zu einem wichtigen wirtschaftlichen Sektor entwickelt. Zahlreiche Migranten und Migrantinnen werden wegen "nächtlichen Vagabundierens" oder weil sie über keine gültigen Einreisepapiere verfügen ohne entsprechende Anhörungen und Verhandlungen inhaftiert. Die politisch instabile Lage des Landes befördert  dieses Klima der Willkür gegenüber Migranten und Migrantinnen. Nach und nach etablieren sich Strukturen, die den Menschenhandel befördern. Beteiligt sind auch politische Entscheidungsträger ebenso wie Transportunternehmer, Busfahrer, Händler und bewaffnete Gruppierungen.

Insel der Ruhe

In dieser Situation ist das Migrantenzentrum in Gao eine Insel der Ruhe. Hier können die Migranten und Migrantinnen Rat suchen, sie werden notversorgt, erhalten Kleidung und Essen. Gegründet von der Ordensgemeinschaft der Afrika-Missionare (Pères Blancs) musste das Zentrum infolge der Unruhen in der Region mehrere Jahre geschlossen werden. Die politisch-militärische Krise und die Präsenz  djihadistischer Gruppen sind zwar nicht vollends Geschichte, doch das Zentrum konnte 2014 wiedereröffnet werden. Nun betreibt die Ortscaritas, unterstützt von Caritas international, die lokalen Mitarbeiter, die mit viel Engagement und Fachwissen den Migranten zur Seite stehen. Dazu gehört auch die juristische Einzelberatung für 60 inhaftierte Migranten.

Alternative Angebote zur Migration

Diejenigen Migranten und Migrantinnen, die sich dauerhaft in Gao ansiedeln wollen, werden durch berufliche Fortbildungen darin unterstützt. Sie erhalten nach erfolgreicher Ausbildung eine Erstausstattung für den Aufbau eines Kleinbetriebes. Die direkte Unterstützung der Betroffenen ist jedoch nur eine Säule der Arbeit. Eine zweite zielt darauf, ein gesellschaftliches Klima zu befördern, das die Rechte der Migranten stärkt, statt sie zu verletzten.

So werden öffentlichen Diskussionsforen über Menschenhandel und Migration veranstaltet, politische Entscheidungsträger sind hier einbezogen. An sechs Schulen in der Region wird die Bevölkerung für die Situation der Migranten sensibilisiert. Hierzu dienen auch Radio- und Videospots. Sie benennen die Gefahren und die Risiken der Migration. Durch die Sensibilisierung erhalten auch diejenigen Familien in Gao Anerkennung, die gegenüber den Migrantinnen Gastfreundschaft und Empathie zeigen. Es ist wichtig, solche Kräfte zu stärken. Caritas international unterstützt Schulungen für die Mitarbeiter des Migrantenzentrums zum Umgang mit traumatisierten Menschen. Auch nehmen die Projektpartner an nationalen und internationalen Foren und Konferenzen über  Migration und Menschenhandel teil, um ihre Sicht und ihre Erfahrungen einbringen zu können.

Caritas international unterstützt  Schulungen für die Mitarbeiter des Migrantenzentrums zum Umgang mit traumatisierten Menschen. Auch nehmen die Projektpartner an nationalen und internationalen Foren und Konferenzen über  Migration und Menschenhandel teil, um ihre Sicht und ihre Erfahrungen einbringen zu können. Die kontinuierliche Arbeit auf mehreren Ebenen ist nötig, um Menschenhandel und Gewalt weiter einzudämmen.

August 2018

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