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Kuba: Hilfe nach dem Hurrikan

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„Ich konnte hören, wie das Dach davonflog“. So erlebte Luisa Mecano in der Nacht vom 8. zum 9. September 2017 den Hurrikan Irma, der fast über ganz Kuba hinweg zog. Die Schäden an ihrem Haus und an denen vieler anderer Menschen waren enorm. Die Dächer wurden abgedeckt und es regnete unaufhörlich hinein. Möbel, Matratzen, Kleider, Dokumente – alles wurde nass. Luisa Mecano und ihre Familie behalfen sich mit Schüsseln, Eimern und Regenschirmen. Das Dach konnten sie nur notdürftig reparieren. Von Caritas bekam die Seniorin neue Matratzen und Hygieneartikel. Bereits einen Tag nach der Katastrophe hatte die Hilfsorganisation begonnen, Ersthilfe zu leisten und Schäden aufzunehmen. In den ersten Tagen war die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln am wichtigsten. Dafür hatten die lokalen Caritas-Organisationen vorgesorgt, im Vorfeld waren landesweit Vorräte an nichtverderblichen Lebensmitteln und Trinkwasser angelegt worden. Bei der Mangelwirtschaft, die in Kuba herrscht, war dies keine leichte Aufgabe.

Menschen in einer SuppenkücheDie Suppenküchen der Caritas waren sehr gut besucht.Foto: Bente Stachowske

Nach der Katastrophe bewiesen die Caritas-Organisationen Solidarität auch untereinander - die nicht betroffenen Regionen spendeten ihre Vorräte an hilfesuchende Kollegen. Die Bevölkerung zeigte sich ebenfalls umsichtig und hilfsbereit. Auf die Spendenaufrufe der Diözesen gingen zahlreiche Schuh-, Kleider- und Haushaltswarenspenden ein. Freiwillige sammelten die Sachen und organisierten die Verteilungen. Auch Luisa Mecano wollte etwas tun und packte in einer Caritas-Suppenküche mit an. „Wir sind mit einem Pferd und einem großen Kessel losgezogen zu denen, die sich nicht mehr selbst helfen konnten“, erinnert sie sich. Die Suppenküchen sind bestehende Einrichtungen der Caritas für Bedürftige im Land. Nach dem Hurrikan war die Nachfrage so groß, dass Caritas weitere provisorische Suppenküchen einrichtete. „Drei Tage lang haben wir für 300 Menschen gekocht, und wir waren die einzigen, die sie unterstützt haben“, erzählt Mecano.

Baumaterial für den Wiederaufbau

Der Wiederaufbau ist für die Menschen eine langwierige und oft unbefriedigende Angelegenheit. Die Regierung hilft zuerst dort, wo die Schäden am geringsten sind. Gemäß dem Prinzip, mit wenigen Mitteln vielen helfen zu können. An sich ein lobenswertes Vorgehen, jedoch bleiben so ausgerechnet die Menschen auf der Strecke, die alles verloren haben. Sie sind von der Regierung angehalten, provisorische Unterkünfte zu bauen oder bei Bekannten unterzukommen. Hier setzt die Wiederaufbauhilfe der Caritas an: Bedürftige Familien oder Alleinstehende erhalten Material, Werkzeuge und fachliche Anleitung, um die Dächer ihrer Häuser reparieren zu können. Zusammen mit der Regierung schaut die Caritas, wo Baumaterialien wie Dachplatten aus Zink, Schrauben und Nägel eingekauft werden können und behält dabei eine hurrikansichere Bauweise im Blick.

Zur Situation

Hurrikan Irma mit der Stärke 5 erreichte Kuba in der Nacht vom 8. auf den 9. September 2017. Der Norden wurde am schwersten getroffen. Zehn Menschen verloren bei der Katastrophe ihr Leben. Es kam zu Überschwemmungen, das Strom- und Telefonnetz brach zusammen, Bäume wurden entwurzelt. Insgesamt 158.544 Häuser waren beschädigt, rund 14.700 davon sind ganz zerstört. Auch die Landwirtschaft trug schwere Schäden davon: Rund 430.000 Hektar Zuckerrohr sind vernichtet und 95.000 Hektar Anbauflächen wurden überschwemmt. Die Regierung stellte je nach Bedarf Hilfsgüter zur Verfügung, die die Betroffenen sehr günstig erwerben konnten und die an bedürftige Haushalte sogar umsonst abgegeben wurden. Aufgrund der großen Zerstörungen erreicht die staatliche Wiederaufbauhilfe die Menschen aber nur sehr langsam und reicht bei weitem nicht aus.

Dezember 2018