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Irak: Hilfe für die Vertriebenen

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Acht Millionen Menschen im Irak sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Knapp zwei Millionen Menschen leben als sogenannte Binnenvertriebene, also Flüchtlinge im eigenen Land, oftmals unter widrigsten Umständen in behelfsmäßigen Zelten oder primitiven Unterkünften. Die meisten flohen vor den Kämpfern des Islamischen Staates (IS), doch auch die Rückeroberungen durch die Armee zwangen Hunderttausende zur Flucht. Sie versuchen, irgendwie zu überleben, verrichten schlecht bezahlte Arbeit und haben den großen Wunsch, irgendwann in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Flüchtlingslager NordirakZwei Millionen Menschen sind innerhalb des Iraks vertrieben. Auch nachdem ihre ursprüngliche Heimat vom irakischen Militär zurückerobert wurde, können viele Menschen nicht wieder nach Hause zurück. Viele leben unter ärmsten Bedingungen in Zelten und improvisierten Behausungen.Foto: Philipp Spalek / Caritas international

Selbst wenn ihre ursprüngliche Heimat in der Zwischenzeit vom irakischen Militär zurückerobert wurde, können viele Menschen nicht wieder nach Hause zurück. Zu immens ist die Zerstörung, zu groß die Armut und zu viel Vertrauen zwischen den Bevölkerungsgruppen wurde zerstört. Doch auch in ihrer neuen Heimat, etwa in der Region Zakho im kurdischen Nordirak, geht es den Menschen kaum besser: In den Zelten und einfachen Behausungen, in denen sie Zuflucht gefunden haben, ist es im Winter sehr kalt und im Sommer unerträglich heiß. Auf engstem Raum lebend, haben die Familien oft nur geringe Einkommen durch einfachste Jobs. Häufig reicht das Geld gerade, um nicht zu verhungern. Wird ein Familienmitglied ernsthaft krank, gibt es keine Reserven, um zum Arzt zu gehen oder gar einen Klinikaufenthalt zu finanzieren. Umso wichtiger ist es, dass die Caritas an ihrer Seite bleibt.

Zurzeit von Caritas international geförderte Projekte im IrakZurzeit von Caritas international geförderte Projekte im Irak (Stand 2019).Eigene Darstellung

Unterstützung für Vertriebene im Nordirak

Viele humanitäre Organisationen haben der Region den Rücken zugekehrt, nachdem die vermeintlich größte Bedrohung durch den IS zurückgeschlagen wurde. Doch die Caritas Irak blieb und steht den Menschen mit Unterstützung von Caritas international und Spenderinnen und Spendern aus Deutschland weiterhin zur Seite. Familien bekommen Medikamente und medizinische Eingriffe finanziert. Traumatisierte, depressive Menschen werden zudem psychologisch betreut. Über 3.000 Kinder erhalten Schulmaterial oder werden von Caritas-Freiwilligen unterrichtet, wenn es keine staatliche Schule in der Nähe gibt. Junge Männer und Frauen können in berufsbildenden Maßnahmen ihre Chancen erhöhen, ein eigenes Einkommen zu erzielen.

Caritas Mitarbeiterin mit KindernKanareek S. Dawood, Sozialarbeiterin bei der Caritas Zakho, im Gespräch mit Kindern aus dem jesidischen Flüchtlingslager in Derabun.Foto: Philipp Spalek / Caritas international

Arbeit an mehreren Standorten

Caritas international arbeitet mit verschiedenen Partnern an mehreren Standorten im Irak, etwa in Fallujah, Dohuk, Niniveh, Al Qosh, Bagdad, Sulaimaniyah und Zakho. Oftmals richten sich die Hilfsangebote an vertriebene Menschen. Aber auch Straßenkinder und Menschen mit Behinderung stellen eine gesonderte Zielgruppe der Caritas-Arbeit im Irak dar. Insgesamt 19.000 Menschen erhalten in den derzeit von Caritas international geförderten Projekten Unterstützung.

Unterstützung für Christen, Jesiden, Schiiten und Sunniten

Die Caritas leistet Hilfe unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion, Nationalität oder Weltanschauung. In den letzten Jahren haben sich bestehende Brüche zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen deutlich vergrößert und neue Konfliktlinien wurden aufgerissen. Der Irak steht vor der großen Herausforderung, das verloren gegangene Vertrauen zwischen diesen Gruppen wieder aufzubauen. Nur so wird ein friedliches Miteinander der vielen Gruppierungen im Irak möglich sein. Hierbei wird die Caritas Irak ihre große Erfahrung im Bereich der Friedensarbeit einfließen lassen.

April 2019