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Brasilien: Perspektiven für Straßenkinder

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Obwohl Brasilien achtgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, profitieren gerade mal 20 Prozent der Bevölkerung davon: Sie zählen zu den Reichsten des Landes und beanspruchen 64 Prozent des Volkseinkommens, während die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung gerade einmal 2,5 Prozent erhalten. Die Ungleichverteilung, die Kluft zwischen Arm und Reich ist im Norden und Nordosten Brasiliens besonders auffallend, so in der Millionenstadt Recife im Bundesstaat Pernambuco. Rund um das Stadtzentrum herum liegen die Armensiedlungen (Favelas), viele Straßenkinder sind hier unterwegs, versuchen sich mit Bettelei, Gelegenheitsarbeiten und Kleinkriminalität über Wasser zu halten. Der Alltag der Kinder ist geprägt von Gewalt und Drogen, die meisten können weder lesen noch schreiben. Perspektiven haben sie keine. Rund 10.000 Straßenkinder soll es in Recife geben.

Straßendemo: eine Gruppe hält ein Plakat mit dem Namen der OrganisationGrupo Ruas e Praças setzt sich für die Rechte von Straßenkindern ein. Grupo Ruas e Praças

Medizin, Schule und Freizeit

Die Caritas Partnerorganisation Grupo Ruas e Praças arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten in Recife mit Straßenkindern.

Wichtig ist, dass die Kinder und Jugendlichen zunächst einmal die sozialen Einrichtungen und Angebote nutzen können, die ihnen zustehen, ihnen helfen und sie stärken. Darunter medizinische Einrichtungen, Schulen und Freizeitangebote. Das ist keine Selbstverständlichkeit und braucht einerseits das Vertrauen der Kinder und andererseits Interventionen gegenüber den Behörden sowie Lobbyarbeit. Der Ansatz funktioniert erfreulich gut: Immer mehr Kinder und Jugendliche nutzen die Angebote, werden darin gestärkt, finden Freunde und neuen Lebensmut.

Grupo Ruas e Praças bietet selbst auch Aktivitäten an, darunter Veranstaltungen zu Kinderrechten, Gewalt und Drogen, Workshops zur Stärkung des Selbstbewusstseins und attraktive Freizeitkurse in Fußball, Schlagzeug oder Fotografie.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die individuelle Betreuung der Kinder. Jedes Kind, seine Lebensumstände, seine Geschichte ist den Mitarbeitern von Grupo Ruas e Praças bekannt. Bei Problemen kann mit psychologischer Hilfe und Kunsttherapien reagiert werden. Gemeinsam mit den Kindern entwickelt das Team Ideen, wie die Mädchen und Jungen aus dem Straßenleben aussteigen können. Die Familien spielen dabei eine große Rolle, denn wann immer möglich, sollen die Kinder wieder mit ihren Eltern vereint werden. Dabei werden sie sich nicht selbst überlassen, die Organisation betreut die Eltern genauso wie die Kinder.

Politik ist gefordert

Straßendemo Grupo Ruas e PraçasMit Demos macht die Organisation auf die Problematik der Straßenkinder aufmerksam.Grupo Ruas e Praças

Neben der direkten Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen möchte Grupo Ruas e Praças die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Straßenkinder verbessern, denn nur so kann langfristig das Straßenkinderproblem gemindert werdenDie Organisation nimmt darum Einfluss auf lokale politische Entscheide und überwacht deren Umsetzungen. Die Position der Organisation ist gut – sie gilt als Meinungsführerin auf dem Gebiet.

Juni 2018