Alle Projekte

Brasilien: Perspektiven für Straßenkinder

  • Projekt

Rückzugsräume und Privatsphäte sind für die meisten Straßenkinder Brasiliens ein Fremdwort. Sie leben damit unter permanentem Stress und geraten nicht selten in die Fänge krimineller Banden. In ihrer Hilflosigkeit sind sie der Gewalt, Drogen, Kriminalität und Willkür von Erwachsenen schutzlos ausgesetzt. 

Die Caritas-Partnerorganisation Grupo Ruas e Praças arbeitet daher seit mehr als drei Jahrzehnten in der Stadt Recife mit Straßenkindern. Die Eltern der Kinder spielen dabei eine große Rolle. Auch mit Lobbyarbeit nimmt die Organisation Einfluss auf die Politik zugunsten der Straßenkinder.

Straßendemo: eine Gruppe hält ein Plakat mit dem Namen der OrganisationGrupo Ruas e Praças setzt sich für die Rechte von Straßenkindern ein. Foto: Grupo Ruas e Praças

Von der Straße in ein neues Leben

In Recife ist die Schwere zwischen Arm und Reich besonders groß. Das schlägt sich im Erscheinungsbild der Region nieder. Rund um Recifes Zentrum liegen die Favelas (Slums), in denen es teilweise nicht einmal Strom und Wasserzugang gibt. Auffallend sind die vielen Straßenkinder, nach Experteneinschätzung sind es über 10.000 Kinder und Jugendliche allein in dieser Stadt. Viele der Mädchen und Jungen sind Analphabeten und konnten nie eine Schule besuchen. 

Um die Kinder bei ihrem Weg aus der Misere zu unterstützen, setzen sich Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter dafür ein, dass sie zunächst die sozialen Einrichtungen und Angebote nutzen können, die ihnen zustehen, ihnen helfen und sie stärken. Darunter medizinische Einrichtungen, Schulen und Freizeitangebote. Das ist keine Selbstverständlichkeit und braucht einerseits das Vertrauen der Kinder und andererseits Interventionen gegenüber den Behörden sowie Lobbyarbeit. Der Ansatz funktioniert erfreulich gut: Immer mehr Kinder und Jugendliche nutzen die Angebote, werden darin gestärkt, finden Freunde und neuen Lebensmut.

Grupo Ruas e Praças bietet selbst auch Aktivitäten an, darunter Veranstaltungen zu Kinderrechten, Gewalt und Drogen, Workshops zur Stärkung des Selbstbewusstseins und attraktive Freizeitkurse in Fußball, Schlagzeug oder Fotografie.

Frau spricht mit 4 JugendlichenJedes Kind, jede Geschichte ist den Mitarbeitenden von Grupo Ruas e Praças bekannt.Foto: Caritas Schweiz

Ein weiterer Schwerpunkt ist die individuelle Betreuung der Kinder. Jedes Kind, seine Lebensumstände, seine Geschichte ist den Mitarbeitern von Grupo Ruas e Praças bekannt. Bei Problemen kann mit psychologischer Hilfe und Kunsttherapien reagiert werden. Gemeinsam mit den Kindern entwickelt das Team Ideen, wie die Mädchen und Jungen aus dem Straßenleben aussteigen können.

Die Familien spielen dabei eine große Rolle, denn wann immer möglich, sollen die Kinder wieder mit ihren Eltern vereint werden. Dabei werden sie sich nicht selbst überlassen, die Organisation betreut die Eltern genauso wie die Kinder.

Kind aus BrasilienBandenkriminalität, Prostitution, Drogen und Gewalt gehören zum Alltag ungezählter Straßenkinder in Brasilien. Caritas international bietet ihnen Zuflucht und hilft ihnen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.Foto: Caritas Schweiz

Politik ist gefordert

Neben der direkten Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen möchte Grupo Ruas e Praças die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Straßenkinder verbessern, denn nur so kann langfristig der Anteil von Straßenkindern gemindert werden. Die Organisation nimmt darum Einfluss auf lokale politische Entscheide und überwacht deren Umsetzungen. Die Position der Organisation ist gut – sie gilt als Meinungsführerin auf dem Gebiet.

Februar 2019