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Libanon: Die höchste Priorität hat das Überleben

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Über 3.3 Millionen Menschen brauchen derzeit im Libanon laut UNHCR Hilfe zum Überleben. Für Geflüchtete aus Syrien ist die Situation besonders dramatisch: Nach dem, oftmals traumatischen, Erlebnis der Flucht aus Syrien, bei der alles Hab und Gut zurückgelassen werden musste, fühlen sich viele Syrerinnen und Syrer im Libanon nicht willkommen. Viele Libanesen haben die Rolle der syrischen Armee während des Libanon-Kriegs nicht vergessen und treten den geflohenen Menschen aus Syrien mit Argwohn gegenüber. Zudem führt der Überfluss an billigen Arbeitskräften zu einem dramatischen Einbruch der Löhne, der das ohnehin angespannte Verhältnis der Einheimischen gegenüber den Geflüchteten verschärft. Nahrungsmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs sind knapp und damit teuer, sodass Essen oder Gesundheitsleistungen häufig nur Personen mit viel Geld zur Verfügung stehen.

Flüchtlingslager im LibanonViele Geflohene aus Syrien leben noch immer in improvisierten Flüchtlingslagern.Foto: Caritas Libanon

Besondere Unterstützung für Frauen, Kinder und Senioren

Eine Großzahl der Syrer lebt seit ihrer Flucht vor mehreren Jahren in informellen Zeltstädten. Da diese Flüchtlingscamps lediglich als Übergangslösung dienen sollten, mangelt es dort am Nötigsten. Oft gibt es weder Strom noch fließendes Wasser. Die Caritas international versucht die Lebensbedingungen in den Camps Asal und Dbayeh zu verbessern, das heißt, für ausreichend Nahrungsmittel und Hygieneartikel und ein sicheres Umfeld zu sorgen. Im Fokus der Caritas-Arbeit liegen diejenigen, die sich am wenigsten aus eigener Kraft helfen können. Caritas international arbeitet im Camp Dbayeh daher mit Frauen und Kindern zusammen und bietet beispielsweise Trainings zur Stärkung des Selbstbewusstseins an. Zu den besonders Verwundbaren zählen neben Frauen und Kindern auch alte Menschen. Diese sind aufgrund von Alter oder Krankheit oft nicht mehr in der Lage, ausreichend für sich selbst zu sorgen. Mit Angeboten in Gemeindezentren und Betreuungsangeboten für 210 syrische und libanesische Senioren wird hier Hilfestellungen im Alltag, Beschäftigungsmöglichkeiten sowie ein sicherer Raum für Gespräche geboten. Gartenarbeit gehört zu den beliebtesten Angeboten - auch dem Ehepaar Layth Fasih und Hanaa Youssef hilft sie dabei, das Erlebte zu verarbeiten.

Psychologische Betreuung und medizinische Versorgung

Viele der in den Libanon Geflüchteten haben entweder in Syrien oder auf ihrer Flucht Schreckliches erlebt. Ein normales Leben und eine Rückkehr in den Alltag ist ohne Weiteres nicht möglich. Für diese Menschen bietet Caritas international die Möglichkeit, psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen, um das Erlebte bestmöglich zu verarbeiten. Neben den schwerwiegenden psychologischen Folgen der Flucht ist die medizinische Versorgung der Geflüchteten im Libanon aus vielen Gründen unzureichend. Das libanesische Gesundheitssystem ist von der großen Anzahl der zu versorgenden Menschen völlig überlastet und viele Geflüchtete haben nicht die nötigen Mittel, um Arztbesuche oder lebensnotwendige Medikamente zu finanzieren. Die Wege zu den Ärzten sind oft weit und gefährlich. Daher ist die medizinische Versorgung von chronisch oder schwer erkrankten Menschen ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von Caritas international. Durch Gesundheitsangebote, Arztbesuche sowie Vorsorgeangebote soll die Gesundheitslage der Bevölkerung verbessert werden.

Bildung als Grundstein für eine positive Zukunft

Kinder erhalten Nachhilfeunterricht der CaritasGeflohene Kinder aus Syrien erhalten Nachhilfeunterricht, um durch den Krieg verpasste Schulzeit wieder aufholen zu können.Foto: Caritas Libanon

Neben körperlicher und geistiger Gesundheit fördert Caritas international die Bildung junger Menschen im Libanon und sieht eine schulische Ausbildung als Grundstein für eine gesicherte Zukunft. Die Hälfte der 1.5 Millionen Geflüchteten aus Syrien sind Kinder, deren Schullaufbahn durch Flucht und Vertreibung unterbrochen wurde und deren Chance auf ein gesichertes Leben ohne Schulbildung gering ist. Nur 3 Prozent der geflüchteten Kinder waren bis 2017 in einer libanesischen Schule angemeldet. Die Qualität der Schulbildung ist aufgrund fehlenden Lehrpersonals oder fehlender Materialien schlecht. Um dies zu verbessern, fördert Caritas international Projekte zur Bildung von Schulkindern und auch Frauen. Durch Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfeangebote erhalten Kinder die Möglichkeit, fehlende Schulzeit aufzuholen. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eines Tages einen Beruf finden und ein eigenes Einkommen zu verdienen. Das ist die Grundvoraussetzung für ein selbstständiges Leben.

 

Juni 2019