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Indien: Nothilfe und Wiederaufbau

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Menschen bei einer VerteilungDie Menschen sind froh über jede Hilfe: Hier bei einer Verteilung der lokalen Caritas.Foto: Caritas Indien

Als die Staudämme im Hochland Keralas nach wochenlagen starken Regenfällen im August 2018 geöffnet werden mussten, war das Tiefland innerhalb kurzer Zeit überschwemmt. Die überquellenden Flüsse rissen die einfachen Lehmhütten der armen Bauern mit, vernichteten Ernten und zerstörten ganze Dörfer. Schon vorher war für die Experten der humanitären Hilfe klar, was die Menschen in dieser Situation am dringendsten benötigen: „Lebensmittel, Trinkwasser und Hygieneartikel werden jetzt am meisten gebraucht", erklärte Peter Seidel, verantwortlich für Hilfsprojekte in Indien bei Caritas international.

Gemeinsam mit Caritas India versorgte die Abteilung des Deutschen Caritasverbandes die Menschen in Kerala mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, Hygienekits und Haushaltsartikeln wie Geschirr, Töpfe und Moskitonetze. Durch den Einsatz von Wasserfiltern konnte verunreinigtes Wasser wieder genießbar gemacht werden, Sanitäreinrichtungen wurden zügig repariert und die Bevölkerung über korrektes Hygieneverhalten informiert.

Mit Werkzeugen und Material ausgestattet, konnten betroffene Familien in Eigeninitiative ihre Hütten und Häuser reparieren. Sorgen bereiteten den Menschen die schweren Zerstörungen in der Landwirtschaft. Die Erträge der kleinen Felder sind oft die einzige Nahrungsgrundlage für die Bauernfamilien und sichern ihnen zudem noch ein Einkommen. Caritas hilft beim Wiederaufbau der Landwirtschaft und verteilt Saatgut und Arbeitsmaterialien, mit denen die Felder wieder bestellt werden können.

Von den Maßnahmen profitieren vor allem Minderheiten wie Kastenlose, Muslime und Menschen in abgelegenen Bergregionen. Zwar setzen die Regierung und nichtstaatliche Organisationen umfassende Hilfsprogramme um, die Minderheiten profitieren jedoch davon oft nicht.

Vorsorgeprogramme zeigen Wirkung

Seit Jahren ist Caritas international mit Projekten vor Ort, und die umgesetzten Katastrophenvorsorgeprogramme zeigen positive Wirkung: Die Zahl der Menschen, die bei den Katastrophen ihr Leben verlieren, hat sich im letzten Jahrzehnt erheblich reduziert. Die materiellen Schäden bleiben jedoch weiterhin hoch. 2017 waren über 45 Millionen Menschen in Südasien von den Überschwemmungen betroffen, in Indien waren es allein rund zehn Millionen Menschen, die ihr Zuhause, ihre Existenzgrundlage, ihre Ernten und ihr Vieh verloren.

Zur Situation

Jedes Jahr führt der Monsun in Südasien zu teilweise schwersten Überschwemmungen. Im August 2018 war Indien mit dem Bundesstaat Kerala besonders stark betroffen. Sintflutartiger Dauerregen ließ die 44 Flüsse der Region über die Ufer treten und Staudämme mussten geöffnet werden, damit sie nicht brechen. Einige Gemeinden in Kerala waren mit bis zu 90 Prozent mehr Niederschlagsmengen konfrontiert als üblicherweise. An steilen Berghängen kam es zu Erdrutschen, die ganze Dörfer mit sich rissen. Über 500 Menschen verloren bei der Katastrophe ihr Leben, mehr als 10.000 Häuser wurden völlig zerstört, 220.000 Menschen waren obdachlos und über 60.000 Hektar Ackerfläche überflutet. Insgesamt sind 23 Millionen Menschen betroffen.

 

Mai 2019