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Jordanien: Unterstützung für irakische Flüchtlinge

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Irakische Mutter mit ihren zwei Töchtern in Jordanien.Das Haus der christlichen Familie Shaba Hannas Haus aus Tel Eskov im Nordirak wurde von den Milizen des sogenannten Islamischen Staates (IS) komplett zerstört. Im Dezember 2015 flohen sie nach Jordanien. Foto: Caritas international / Jennifer Ciochon

Im Sommer 2014 flohen tausende Iraker/innen vor der Herrschaft des sogenannten Islamischen Staates (IS) in das Nachbarland Jordanien. Doch schon vor der aktuellen Krise beherbergte das haschemitische Königreich eine große Anzahl irakischer Flüchtlinge. "Viele Leute vergessen, dass in Jordanien schon vor 2014 eine erhebliche Anzahl irakischer Flüchtlinge gelebt hat, die nach den beiden Golfkriegen (1980-1988 und 1990-1991) und dem Irakkrieg 2003 ins Land gekommen sind," sagt Beliza Espinoza, Caritas international Mitarbeiterin in Jordanien. Im August 2016 waren rund 55.000 irakische Flüchtlinge offiziell bei UNHCR registriert, die tatsächliche Zahl der Iraker im Land wird jedoch auf über 200.000 geschätzt. Im Gegensatz zu syrischen Flüchtlingen bekommen Iraker weder Nahrungsmittelhilfen von den Vereinten Nationen noch angemessene medizinische Versorgung durch die jordanische Regierung. Sie haben deshalb ein besonders hartes Schicksal und sind auf zusätzliche humanitäre Hilfe angewiesen.

Caritas international kümmert sich gemeinsam mit der Caritas Jordanien schon seit rund 27 Jahren als eine der wenigen humanitären Organisationen um irakische Flüchtlinge. Auch nach der durch den IS ausgelösten Fluchtwelle im Sommer 2014. Im Jahr 2015 beispielweise wurden über 8.000 Neuankömmlinge von der Caritas Jordanien registriert. Rund 1.000 besonders bedürftige Flüchtlinge wurden in 15 Notunterkünften in Kirchengemeinden im ganzen Land untergebracht und umfassend versorgt. Neben solchen akuten Nothilfemaßnahmen unterstützt Caritas international auch 2016 Nothilfeprojekte zur Grundversorgung irakischer Flüchtlinge.

Nahrungsmittel und medizinische Hilfe

wartende Flüchtlinge im Sozialzentrum in Salt, Jordanien. In den Sozialzentren der Caritas Jordanien erhalten Flüchtlinge und bedürftige Jordanier Nahrungsmittelhilfen, medizinische und psycho-soziale Versorgung und können an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Foto: Caritas international / Jennifer Ciochon

Hunderte irakische und besonders bedürftige jordanische Familien erhalten Nahrungsmittelhilfen sowie Kochutensilien, Hygieneartikel und Waschmittel, um ihren Alltag bestreiten zu können. Zusätzlich werden sie mit dringend notwendigen Mietbeihilfen unterstützt. Denn selbst extrem einfache Wohnungen in der Hauptstadt Amman kosten oft rund 200 Euro im Monat - zu viel für Menschen, die alles verloren haben. Während syrische Flüchtlinge medizinische Unterstützung von der jordanischen Regierung erhalten, gibt es diese Option für irakische Flüchtlinge nicht in eusreichendem Maße. Caritas ermöglicht deshalb 3.500 irakischen Flüchtlingen und 1.500 Jordaniern eine medizinische Grundversorgung in den Sozialzentren der Caritas Jordanien, die im ganzen Land verteilt sind. Auch Menschen, die weiterführende medizinische Hilfen benötigen, wird geholfen. Einige werden stationär behandelt oder erhalten Rollstühle, Hörgeräte oder Brillen. Schwerkrankte und chronisch Erkrankte bekommen lebensnotwenige Behandlungen oder werden langfristig medizinisch betreut.

Psychosoziale Betreuung und Trainings

Um die Flüchtlinge darin zu unterstützen, mit den traumatischen Folgen des Krieges, der Flucht oder auch von Folter umzugehen, bietet die Caritas psycho-soziale Unterstützung für Iraker/innen in den Sozialzentren in Amman, Zarqa, Irbid, Balqa und Madaba an. In Gruppen- und Einzelsitzungen mit geschulten Personal haben die Menschen die Möglichkeit, das Erlebte aufzuarbeiten und zu lernen, ihren neuen Alltag erfolgreich zu meistern. Schwere Fälle werden an Fachärzte weiterüberwiesen. Um ihre Chancen auf ein Einkommen zu erhöhen, erhalten 150 Flüchtlinge Sprach- und Computerkurse und Trainings in den Bereichen Lebensmittelzubereitung und -verarbeitung, Handarbeit sowie Kinder- und Altenbetreuung. Zusätzlich nehmen einige Iraker/innen an Bewerbungskursen teil oder erhalten Informationen darüber, wie sie erfolgreich ein Kleinunternehmen führen können. Diese Begleitung und Unterstützung ist wichtig, um den Menschen langfristig eine Perspektive zu bieten, ihr eigenes Einkommen zu erwirtschaften.  

August 2016