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Tadschikistan: Hilfe im Pamir

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ein Junge und ein Mädchen, 9 und 10 Jahre sitzen auf einem Teppich. Rechts neben ihnen sitzt ein erwachsener Mann.Nasiba und Nekruzi sind Waisen und leben bei Oma und Onkel in bitterer Armut. Bei Khirad erhalten sie Unterstützung und werden von Psychologen und Sozialarbeitern betreut.Foto: Caritas Tadschikistan

Kommt man bei Khirad zur Tür herein, sieht man vor allem Kinder. Sie besuchen die verschiedenen Kurse, die die Partnerorganisation Khirad anbietet: Mathematik, Computer, Englisch, Russisch, Taekwondo, Volleyball, Fußball, Tanz und Musik. Die Kurse dienen nicht nur dazu, die schulischen Aussichten der Kinder zu verbessern, sondern auch, ihnen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu geben, bei der sie Anerkennung und Solidarität erleben. 

Auch die neunjährige Nasiba und ihr dreizehnjähriger Bruder Nekruzi werden von Khirad unterstützt. Nachdem ihre Mutter an einer Überdosis Drogen gestorben war und der ebenfalls drogenkranke Vater die Familie verlassen hat, lebten die Kinder bei ihrem Onkel und ihrer Großmutter von der 30 Euro-Rente der Großmutter. Khirad unterstützt die gesamte Familie mit Essensvorräten und Winterkleidung. Durch die Hilfe von Psychologen und Sozialarbeitern haben die beiden Geschwister auch wieder gelernt zu lachen. Beide haben durch Khirad Freunde und Anschluss gefunden: Aus der schüchternen und zurückgezogenen Nasiba ist ein fröhliches und offenes Mädchen geworden und Nekruzi hat eine Leidenschaft für Computer und fürs Boxen entdeckt. 

Kinder präsentieren Kampfkunst in einer VorführungKinder präsentieren ihre Kampfkunst in einer Vorführung - das stärkt ihr SelbstvertrauenFoto: Caritas Tadschikistan

In der Freizeit Gemeinschaft erleben

Neben beitragszahlenden Teilnehmern nimmt Khirad neben Nekruzi und Nasiba weitere Kinder aus 35 armen Familien auf, deren Kosten vom Projekt gedeckt werden, das Caritas international fördert. Dies ermöglicht Kontakt und soziales Lernen zwischen Kindern aus benachteiligten und besser gestellten Familien.

In Jugendclubs gibt es Veranstaltungen, auf denen zu gesundheitlichen und sozialen Themen informiert wird. Bei den Teilnehmer/innen sehr beliebt ist das Training zum Haushaltsmanagement mit Tipps zum Geldsparen und Geldverwalten.

Auch die Erwachsenen werden miteinbezogen

Jeden Freitag besuchen die Erwachsenen, die sich um die Kinder kümmern, eine so genannte Elterngruppe. Viele von ihnen sind alleinerziehende Mütter, aber es gibt auch Cousins oder Großmütter, die die Kinder versorgen, wenn deren Eltern im Ausland arbeiten. In der Gruppe tauschen sie sich aus und erhalten Rat zur Erziehung.

Unter stressreichen Lebensbedingungen kommt es leichter zu Konflikten - innerhalb und außerhalb der Familie. Wer möchte, kann Hilfe von einem Pädagogen erhalten, der moderne Beratungstechniken mit dem traditionellen Ansatz verknüpft, bei dem er eher als Streitschlichter auftritt.

Um Kontakt und gegenseitige Hilfe unter den Familien zu stärken, werden Feste und Ausflüge gemeinsam organisiert. Dies fördert die Integration der benachteiligten Familien in ihre Nachbarschaft. Da viele Erwachsene nach einem Jahr intensiven Kontakts zu Khirad gerne weiterhin kommen möchten, können sie sich ehrenamtlich im Projekt engagieren. So begleiten sie als Freiwillige zum Beispiel das einmal im Jahr stattfindende Sommercamp für die Kinder.

Zur Situation

Weil Perspektiven im eigenen Land fehlen, suchen viele Tadschikinnen und Tadschiken eine Arbeit im Ausland. Ihre Kinder bleiben zurück. Im besten Fall können sie zu Verwandten, die sich jedoch oft, zum Beispiel aufgrund des hohen Alters, nicht gut genug kümmern können. Andere Kinder werden in Heimen untergebracht, die meist im schlechten Zustand sind. Die Bauten sind veraltet und im Winter ist oft nur ein einziger Raum beheizt. Das Essensgeld ist pro Kind und Tag knapp bemessen. Die soziale und emotionale Betreuung der Kinder kommt zu kurz - sie werden eher aufbewahrt als gefördert. Auf ein Leben außerhalb des Heimes werden sie nicht vorbereitet. Nach Abschluss Schulzeit wissen sie nicht, wie andere Kinder, was ein eigenständiges Alltagsleben bedeutet. Sie werden entlassen und sind auf sich allein gestellt. Dabei treffen sie auf eine Gesellschaft, die Heimabgänger sozial stigmatisiert. Die Gefahr, auf der Straße zu landen, ist hoch. Häufig sind sie den Risiken von Kriminalität, Prostitution, Drogenkonsum und Obdachlosigkeit ausgesetzt.

 

Juli 2016