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Irak: Sozial- und Gesundheitszentren

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Flüchtlinge im Gesundheitszentrum der CaritasInlands-Vertriebene in einem der Gesundheitszentren der Caritas im nordirakischen QarakoshGabriela M. Keller / Caritas international

In den Jahren nach dem zweiten Golfkrieg von 2003 organisierte und finanzierte Caritas international den Wiederaufbau und den Betrieb von zwölf öffentlichen Gesundheitszentren. Sie sind im Irak ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Grundversorgung. Viele dieser Zentren waren nach dem Krieg zerstört, ausgeplündert oder verfügten schlichtweg weder über Medikamente noch über funktionierende medizinische Geräte. Zur Versorgung der Schwächsten, in erster Linie der Frauen und Kleinkinder, richtete die Caritas Irak zudem zahlreiche Sozialzentren ein. "Uns gelingt es, in dem Land, in dem die öffentliche Gesundheitsversorgung fast vollständig zusammengebrochen ist, medizinische Versorgung zu gewährleisten", betonte damals die frühere Präsidentin der Caritas für den Nahen Osten, Claudette Habesch.

Die Einrichtungen, die Caritas in eigener Regie oder in Zusammenarbeit mit dem Roten Halbmond immer noch betreibt, sind über das Land verteilt: fünf davon in Bagdad und drei weitere in den nördlichen Städten Kirkuk, Erbil und Alquosh. Ein großes Zentrum in Mosul musste bereits Ende 2006, zum Höhepunkt der gewaltsamen Auseinandersetzungen, nach massiven Drohungen geschlossen werden.

Nothilfe für Inlandsvertriebene und syrische Flüchtlinge

Schon vor der Offensive des sogenannten Islamischen Staates (IS) im Jahr 2014, bei der 3,2 Millionen Iraker/innen vertrieben wurden, hat die Caritas bereits seit vielen Jahren Inlandsvertriebene unterstützt. Schon nach dem Krieg 2003 suchten viele Bewohner aus dem umkämpften Süden Zuflucht im Norden des Landes. Bereits nach dem Ausbruch des Krieges in Syrien 2011 kamen etwa 20.000 irakische Rückkehrer aus Syrien zurück in ihre alte Heimat. Sie hatten nach dem Golfkrieg Asyl im Nachbarland Schutz gesucht hatten. Dazu kamen rund 300.000 syrische Flüchtlinge, die vor den Kämpfen in ihrem eigenen Land über die Grenze in den Irak flohen.

Die im eigenen Land vertriebenen Familien und syrischen Flüchtlinge sind von der staatlichen Versorgung ausgeschlossen und vollkommen auf sich gestellt. Für sie gibt es nahezu keine Möglichkeit Arbeit zu finden. Caritas international engagiert sich gemeinsam mit Caritas Irak und der irakischen Hilfsorganisation CAPNI für die Versorgung bedürftiger Menschen. Neben umfangreichen Nothilfeprojekten, kümmert sich die Caritas in mehreren Sozialzentren im Land auch um die medizinischen, psychischen und sozialen Nöte der Familien.

Eine Frau mit ihrem Kind im ArmDiese Frau und ihr Kind erhielten eine Registrierungskarte im Zentrum Rusafa II in BagdadFoto: Caritas international

Caritas Sozialzentren für Familien mit Kleinkindern

Im Jahr 2015 lag nach Angaben von UNICEF die Sterblichkeitsrate von Kindern im Irak unter fünf Jahren - pro 1000 Geburten starben 32 Babys. Jedes vierte Kind leidet aufgrund chronischer Fehl- und Unterernährung an Entwicklungs- und Wachstumsstörungen. Nach wie vor sind importierte Lebensmittel nur eingeschränkt erhältlich, die Versorgung mit Vitaminen und Eiweiß ist nicht ausreichend - ein Problem, das im besonderen Maß auch Schwangere und stillende Mütter betrifft. Der Fokus der Arbeit in den Caritas Sozial- und Gesundheitszentren liegt deshalb sowohl auf der Ernährungssicherung für Kleinkinder und Mütter als auch auf Beratungs- und Aufklärungsangeboten.

Schon seit dem Jahr 2000 führt die Caritas Irak erfolgreich ein solches "Kinder und Familienprogramm" durch. Das Programm wurde im Laufe der Jahre zu einem Gesundheitsprojekt mit Vorzeige-Charakter. Im Jahr 2013 bestätigte eine externe Evaluierung die vorbildliche Arbeit des Programmes.

Gute Ernährung fördert gesundes Wachstum

Tausende Kinder und Mütter erhalten in den Caritas Sozialzentren Lebensmittelpakete reich an Proteinen und Vitaminen. Auch Grundnahrungsmittel wie Linsen, Speiseöl, Jodsalz und Getreideflocken sind in den Paketen enthalten. In einer sorgfältigen medizinischen Untersuchung der Kleinkinder wird zunächst der Grad der Fehlernährung der kleinen Patienten und Patientinnen erfasst. Entsprechend der Bedürftigkeit werden die Familien dann mit Zusatznahrung wie Milchpulver und hochwertigen Protein-Keksen unterstützt. Ärztinnen und Ärzte begleiten und beobachten die Entwicklung der Kleinkinder.

Als Ergänzung zu diesen gesundheitlichen Maßnahmen bieten die Sozialzentren der Caritas Schulungen in Fertigkeiten wie Stickerei, Landwirtschaft, Gartenarbeit, Handwerk und Computer sowie Alphabetisierungskurse an. Einige Frauen erhalten eine finanzielle Starthilfe, um sich beruflich selbstständig zu machen und sich so neue Einkommensmöglichkeiten zu eröffnen. Gleichzeitig finden Trainingskurse in kindgerechter Ernährung für Mütter statt. Diese Kurse führen erfahrene Ernährungswissenschaftler/innen durch. Sie erarbeiten mit den Müttern gemeinsam Wege, wie bei dem eingeschränkten Nahrungsmittelangebot eine ernährungsphysiologisch sinnvolle Kost zusammengestellt werden kann. In Kinderkursen werden die Vier- bis Achtjährigen altersgerecht sensibilisiert. Sie lernen, wie sie ihren Körper schützen und wie sie sich gut ernähren können - und auf welche Dinge sie achten müssen, um nicht krank zu werden.

Die bedürftigen Familien wurden durch die Sozialzentren der Caritas Irak ausgesucht und betreut. Sie werden soweit sensibilisiert, dass sie ihr Wissen in der Gemeinde weitergeben.

Oktober 2017