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Russland: Tagesförderzentrum für Menschen mit Behinderung

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Die meisten Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung leben in großen Zentren, weit weg von ihren Eltern. Dort werden sie in der Regel gut versorgt, erhalten jedoch kaum spezifische Förderung. Dafür fehlt es an geeignetem Fachpersonal. Aber auch die gesellschaftliche Einstellung gegenüber Behinderungen trägt nach wie vor dazu bei, dass Menschen mit Beeinträchtigung wenig gefördert werden und vom Rest der Gesellschaft isoliert leben. Das führt dazu, dass Eltern, die sich selbst um ihre behinderten Kinder kümmern, häufig doppelt ausgegrenzt sind: Einerseits erhalten sie kaum Unterstützung, andererseits fühlen sie sich häufig auch sozial isoliert.

individuelle Förderung von Menschen mit BehinderungIndividuelle Förderung von Menschen mit Behinderung im Bischof Maletzky Haus - mit dem Ziel der selbstbestimmten Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Foto: Philipp Spalek

Inklusion: Gemeinsam verschieden sein

Das Tagesförderzentrum der Caritas St. Petersburg möchte sowohl Kinder und junge Erwachsene mit Behinderung als auch ihre sie betreuenden Eltern oder Angehörigen unterstützen. Die Einrichtung ist in einem wunderschön hellen, historischen Gebäude, dem sogenannten "Bischof-Maletzky-Haus", untergebracht.

Von 9 bis 16 Uhr besuchen circa 35 vorwiegend junge Menschen mit Behinderung das Zentrum und werden durch vielfältige handwerkliche und künstlerische Aktivitäten gefördert. 

Pagolskaja Maria, Leiterin der Handwerks-AG im FörderzentrumFrüher hat Pagolskaja Maria an der Universität Design unterrichtet. Heute leitet sie die Handwerks-AG im Förderzentrum. „Es geht ja nicht darum, irgendetwas zu machen, die Leute hier sehen ganz genau, ob etwas wirklich gelungen ist, ob wir es verkaufen oder in einer Ausstellung präsentieren können. Und dann sind sie richtig stolz.“Foto: Philipp Spalek

Das entlastet die betreuenden Familien und fördert gleichzeitig das Selbstvertrauen und die Selbständigkeit der Besucher. Denn auf dem Programm stehen neben der Ausbildung im handwerklich-kreativen Bereich, wie zum Beispiel in der Nähwerkstatt, auch Kochkurse, oder das selbständige sich Zurechtfinden mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die selbstbestimmte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zieht sich als vorderstes Ziel durch das gesamte Projekt.

Film-Projekt: In den eigenen Träumen kann man sein was und wer man will. Das zeigen uns die Projektbeteiligten in diesem Stop-Motion Film, den sie gemeinsam mit den Betreuern und Betreuerinnen konzipiert und gedreht haben:

Das "Maletzky-Haus" fördert durch zahlreiche Aktivitäten die in Russland bisher nur rudimentär entwickelte Inklusion. Zum Beispiel veranstaltet das Zentrum inklusive Kultur-Festivals, beteiligt sich an Ausstellungen und organisiert gemeinsame Workshops und Feste mit anderen Caritaseinrichtungen. Denn Inklusion meint nicht nur die Integration von Menschen mit Behinderung in ein sonst gleichbleibendes Umfeld, sondern die Anpassung dieser Umwelt an die jeweiligen Voraussetzungen der Menschen.

Wolodja und das AkkordeonArbeiten in der Werkstatt erfordert viel Fingerfertigkeit und Geduld. Die ersten sechs Monate saß Wolodja nur da und sagte: Ich kann das nicht. Inzwischen weiß er, dass er eine Menge kann. Sogar das Akkordeonspielen hat er sich im Zentrum selbst beigebracht.Foto: Philipp Spalek

In jüngster Zeit bemüht sich das Zentrum - unterstützt von Caritas international - vor allem auch um den Aufbau eines Netzwerks mit potenziellen Arbeitgebern. Ziel ist, dass es durch eine enge Kooperation und Begleitung künftig mehr Besuchern des Maletzky-Hauses gelingt, eine reguläre Beschäftigung außerhalb des Zentrums finden.

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