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Russland: Suchtberatung im Hartmut Kania Haus

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Die Beratungsstelle bietet niedrigschwellige Informations- und Suchtberatung an. Jeder kann kommen, es braucht keine vorab Registrierung, und wer telefonisch einen Termin vereinbart, muss dafür allenfalls seinen Vornamen nennen.

Laut dem leitenden Psychologen Radik Galjachmetow ist die Zahl der Suchtabhängigen in Russland dramatisch hoch. Er schätzt, dass 20-25% der Bevölkerung davon betroffen sind. Die Ursachen dafür sieht er einerseits in der sozialen Situation. In Stadtteilen, die besonders von Armut betroffen sind, steigt auch die Zahl der Suchtabhängigen. Andererseits aber auch in den großen, andauernden Veränderungen, denen das Land seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion unterworfen ist, und mit denen die Menschen unterschiedlich zurechtkommen.

Leiter Radik GaljachmetowDer Psychologe Radik Galjachmetow leitet seit vielen Jahren die Suchtberatungsstelle. „Wenn es in einer Gesellschaft Veränderungen gibt, steigt auch immer das Suchtpotential. Und unser Land ändert sich seit 20 Jahren andauernd.“Foto: Philipp Spalek

Aus eigener Kraft die eigene Situation erkennen und verändern:
nicht immer einfach

Eine reguläre Beratung beinhaltet fünf Einzelstunden mit einem Psychologen oder Therapeuten. Danach steht es den Besuchern frei, an den jeden Montagabend stattfindenden "Kurs-Lektionen" teilzunehmen. Hier werden im kleinem Kreis Themen besprochen wie: Warum ist es so schwer, sich Hilfe zu holen? Wie groß sind die Heilungschancen? Wo und wie werde ich bei einem Entzug unterstützt? Ziel ist es, dass die Einsicht in die eigene Situation gefördert wird.

Marianna arbeitet als Freiwillige im Informations- und Suchtberatungszentrum der CaritasSt. Petersburg.Marianna war selbst viele Jahre mit einem Alkoholiker verheiratet. Über die Beratung im Suchtzentrum hat sie wieder zu Selbstbewusstsein und neuer Lebensfreude gefunden. Diese Erfahrung möchte sie weitergeben. Deshalb engagiert sie sich ehrenamtlich im Suchtzentrum und begleitet jeden Freitagabend einen "offenen Treff" für Angehörige.Foto: Philipp Spalek

Neben der individuellen Beratungs- und Aufklärungsarbeit setzt das Zentrum einen Schwerpunkt auf die Unterstützung von Angehörigen, die bei Suchtabhängigkeit eines Familienmitglieds immer in besonderem Maße mitbetroffen sind.

Vor allem bei auftretenden Fällen häuslicher Gewalt - was bei Alkoholsucht leider sehr häufig der Fall ist - ist die enge Zusammenarbeit mit der im gleichen Gebäude untergebrachten Beratungsstelle für "Frauen in schwierigen Lebenslagen" sehr wertvoll und wichtig.

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