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Russland: Landesweite Hauskrankenpflege

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Da keine oder nur sehr wenige Pflegedienste existieren, die die Familien mit pflegebedürftigen Personen zeitweise unterstützen könnten, sind die Angehörigen häufig völlig auf sich allein gestellt und überfordert.

Vor allem medizinische Berufe werden in Russland nur sehr gering entlohnt. Die damit einhergehenden schlechten Lebensbedingungen führen zum Verfall des ohnehin schon kaum existenten Sozialsektors. Immer weniger junge Menschen streben eine Ausbildung in Pflegeberufen an. Die wenigen Sozialarbeiter und medizinischen Fachkräfte arbeiten zudem nach veralteten Methoden oder haben sogar nie professionelle Krankenpflegeschulungen erhalten.

Wissen weitergeben und gekonnt anwenden

Die Caritas Russland hat deshalb schon 2005 damit begonnen, Hauskrankenpflegezentren aufzubauen, deren geschulte Mitarbeiter als Multiplikatoren im Bereich der Pflege und der Kinästhetik tätig sind. Caritas international unterstützt die Arbeit dieser Zentren an verschiedenen Standorten, unter anderem in St. Petersburg, Wolgograd, Saratow, Omsk und Nowosibirsk.

Die Zentren bieten sowohl Angehörigen als auch professionellen Mitarbeitern in Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen sozialen Institutionen die Möglichkeit, sich im Bereich der Pflege zu qualifizieren.

Russland, Wolgograd: Pflegeschulung in St. Petersburg Pflegefachkurs im Hartmut-Kania-Haus in St. Petersburg. Die Caritas bietet diese Schulungen sowohl für Mitarbeiter aus verschiedenen Sozialdiensten an, als auch für Privatleute, die sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern. Foto: Philipp Spalek

Die Seminare bestehen aus acht Modulen, die über unterschiedliche Ansätze in der Pflege über den richtigen Einsatz von Pflegematerialien bis zur richtigen Ernährungsweise für bettlägerige Menschen ein breites Spektrum an für die Pflegearbeit relevantem Fachwissen abdecken. Jedes Modul besteht aus einem Theorie- und einem Praxisteil.

Pflegeschulung bei der Caritas-Wolgograd für Mitarbeiter des staatlichen SozialdienstesPflegeschulung bei der Caritas-Wolgograd für Mitarbeiter des staatlichen Sozialdienstes. „Für uns sind diese Schulungen sehr wichtig“, sagt eine der Teilnehmerinnen. „Wir müssen wissen, wie man zum Beispiel verhindert, dass jemand wund liegt. Das, was wir hier erfahren, ist sehr wichtig für uns.“ Foto: Philipp Spalek

Außerdem betreuen die Pflegefachkräfte der Zentren selbst Pflegenotfälle und begleiten und unterstützen Familien bei ihrer Pflegearbeit zu Hause. Sie bieten den Familien auch die Möglichkeit an, dringend benötigte Pflegeutensilien wie Gehhilfen oder ein Pflegebett übergangsweise über die Caritas auszuleihen. Mit den zehn errichteten Hauskrankenpflegezentren werden über 9.000 Pflegebedürftige erreicht, die von Verwandten gepflegt werden. Weitere 9.000 pflegebedürfte Kranke, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung, sowie über 3.000 Pflegefachkräfte profitieren von den Caritas-Hilfen. 

Juni 2018

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