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Philippinen: Wiederaufbau nach Haiyan

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Was erreicht wurde

  • Im Ort Mercedes wurden 500 Übergangshäuser errichtet. Zusätzlich wurden in Balangiga Starthilfen in Form von Saatgut, Düngemitteln, Reissetzlingen und Fischereibedarf sowie Fischerbooten gewährt.
  • In Balangiga errichtete die Caritas zunächst 142 temporäre Häuser, welche mittlerweile in 147 massive, tropensturmtaugliche Häuser umgebaut wurden.
  • In Basey wurde Land gekauft. Hier wurden mit Unterstützung von Caritas international 41 feste Häuser gebaut, die 200 bis 300 Meter vom Meer entfernt stehen.
  • In Tacloban konnten dank der Stiftung Bayer Cares im Krankenhaus Mothers of Mercy medizinische Geräte neu beschafft werden, die der Taifun zerstörte: Beatmungsgeräte, Operationslampen und Röntgenapparate. 
  • Für etwa 300 Personen, die ihr Geld mit dem Fischfang verdienen, wurden Boote aus Fiberglas gebaut, denn das Holz ist auf der Insel knapp und der Wald wird so vor Rodungen bewahrt. Das Know-How für den Bau wurde in Workshops an lokale Handwerker vermittelt, die so auch Reparaturen durchführen können. Zudem gab es - vor allem für die Frauen- Kurse zur Vermarktung der Fischereiprodukte.
  • In Lawaan wurde eine Schule für 200 Schülerinnen und Schüler aufgebaut. Dies kam auch dank der Unterstützung von Bild "Ein Herz für Kinder" zustande. Eine weitere Schule konnte mit Unterstützung der RTL Stiftung "Wir helfen Kindern" wieder hergerichtet werden. Auch Computer konnten für die Schule angeschafft werden, die völlig zerstörte Bücherei wurde ebenfalls wieder aufgebaut.

Gemeinsame, nachhaltige Hilfe für die Betroffenen

Kinder in Schuluniform vor GebäudeDas neu errichtete Schulgebäude in Lawaan ermöglicht 200 Kindern, wieder zur Schule zu gehen.Foto: Daniel Apolinarski / Caritas international

Caritas international ist auf der Insel Samar mit den Diözesen Borongan und Calbayog eine feste Partnerschaft zur Unterstützung der Nothilfe und des mittel- und langfristigen Wiederaufbaus eingegangen. Mit einem Pilotprojekt in der schwer getroffenen Gemeinde Balangiga startete Caritas international bereits vier Monate nach dem Taifun die Wiederaufbauphase. Wichtig dabei: Die ehemaligen Bewohner/innen wurden in jeden einzelnen Planungsschritt über die Baumaßnahmen eingebunden und beteiligten sich an den Arbeiten. In den teilweise komplett zerstörten Ortsteilen ging es dabei nicht nur um private Wohnhäuser, sondern um die gesamte Infrastruktur der Gemeinde: Die Schule, öffentliche Gebäude, die Landwirtschaft, die Fischerei.

Da die Philippinen regelmäßig von Taifunen heimgesucht werden, galt es, den Wiederaufbau mit möglichst sturmsicheren Gebäuden und auf höher gelegenem Grund zu realisieren. Auch die Ausrichtung und das Baumaterial der Häuser wurden so gewählt, dass sie Stürmen und Erdbeben trotzen können. Die Koordination beim Hausbau übernahm der Architekt Martin Grütters, der eigens für Caritas international auf die Philippinen gereist war.

Neue Boote für 300 Fischer

Bau der neuen FischerbooteIn Workshops wird lokalen Handwerkern das Know-How für den Bau von Fiberglas-Booten vermittelt.Foto: Karin Uckrow / Caritas international

Neben dem Bau von Unterkünften hat Caritas international weitere Hilfsprojekte in Angriff genommen: Unter anderem auch den Bau von Booten. Traditionell besteht die Fischereiflotte aus Holzbooten. Kiel und Unterbau aus hochwertigen tropischen Hölzern, der Aufbau aus Sperrholz. Der Taifun aber hat fast den gesamten Baumbestand weggefegt oder zumindest stark beschädigt. Nun galt es, neue Wege zu finden, die möglichst umweltverträglich sind und die es den Fischern doch in kürzester Zeit ermöglichten, wieder aufs Meer zu fahren. Caritas international hat hier auf den Bau von Booten aus glasfaserverstärkten Kunststoffen gesetzt. Auf der Insel Samar produzierte Caritas in einer eigenen Manufaktur, zwei weitere Betriebe in Manila waren bereit, die örtlichen Fischer im Bau dieser Boote zu schulen. Caritas international finanzierte Schulungen und Materialien.

Wiederaufbau beinahe abgeschlossen

Familie vor kleinem SteinhausDie Familie von Francisco Baldo Jr. konnte in eins von 147 neuen, sturmfesten Häusern in Balangiga einziehen.Foto: Daniel Apolinarski / Caritas international

Der Wiederaufbau ist beinahe abgeschlossen. In einigen Orten ist Caritas international gemeinsam mit den lokalen Partnern jedoch noch immer mit den Folgen des Taifuns beschäftigt. So wird in Tanauan, südlich der Provinzhauptstadt Tacloban City, zurzeit eine weitere Schule erbaut. In Tacloban City unterstützt Caritas international eine Einrichtung für Straßenkinder - viele von ihnen sind sogenannte "Taifun-Waisen". Zudem werden 200 besonders arme Fischer-Familien unterstützt, hauptsächlich mit Baumaterial und Fischereiausrüstung.  

Sechs Jahre nach dem verheerenden Taifun wurde also bereits viel geschafft. Dabei berichteten unsere Kolleginnen und Kollegen immer wieder vom unermüdlichen Lebensmut, den die Bewohner der Insel ausstrahlen: Alle haben mit angepackt, haben sich gegenseitig geholfen und zeigten sich stets solidarisch untereinander. Die gut organisierte Selbsthilfe begann hier vom ersten Moment. Diese Selbsthilfe weiterhin tatkräftig zu unterstützen ist das Ziel der Projekte von Caritas international.

Zur Situation

Am 8. November raste Taifun Haiyan mit 300 km/h quer über die Philippinen und verwüstete ganze Landstriche. Rund 6.300 Menschen starben, 23.500 erlitten zum Teil schwere Verletzungen und die Häuser von über vier Millionen Menschen wurden zerstört. Hilfsorganisationen hatten tagelang kaum die Möglichkeit, zu den Opfern vorzudringen. Die Hauptverkehrswege waren unzugänglich und erst nach drei Wochen wieder befahrbar. Das Stromnetz war zerstört und telefonische Verbindungen gingen nur über Satellitengeräte. Fehlende sanitäre Anlagen und ein absoluter Mangel an sauberem Trinkwasser stellten in den ersten beiden Monaten nach dem Taifun die größten Probleme dar. Durchschnittlich 20 Taifune rasen pro Jahr über das Land, viele von ihnen mit einer ungeheuren Zerstörungskraft. Zuletzt wurde das Inselarchipel im Dezember 2018 vom Taifun Usman getroffen mit mehr als 120 Toten. Im September 2018 verwüstet der Taifun Mangkhut den Norden der Philippinen. Über 100 Menschen verloren dabei ihr Leben.

 

März 2019