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Mosambik: Gesundheit auf Rädern

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Wartende PatientinnenOft warten an einem Vormittag bis zu einhundert Personen vor dem GesundheitszentrumCaritas international

In der Provinz Sofala in Zentralmosambik lebt über die Hälfte der Bevölkerung in Armut. Die Ernährungssituation ist schlecht, ebenso die Gesundheitsversorgung. Diese drei Faktoren verstärken sich gegenseitig, wer arm und hungrig ist, ist oft krank, und wer krank ist, wird schnell arm.

Da der Staat keine ausreichende Gesundheitsversorgung gewährleisten kann, bleiben die betroffenen Menschen zumeist ohne Zugang zu Medikamenten. Hinzu kommt, dass viele Familien - nicht zuletzt aufgrund fehlender finanzieller Mittel - vielfach auf traditionelle medizinische Methoden zurückgreifen. Bei Infektionskrankheiten kann der Zugang zu einem Medikament der modernen Medizin jedoch über Leben und Tod entscheiden. Die teils chronische und akute Unterernährung in der Region verschlechtert den Gesundheitszustand oft zusätzlich oder lässt Kranke kaum mehr zu Kräften kommen. Verursacht wird die unsichere Ernährungslage durch wiederkehrende Dürren und steigende Lebensmittelpreise.

Vertrauen schaffen - Krankheiten vorbeugen

Daher hat der Caritas-Partner Esmabama mit staatlicher Unterstützung ein Gesundheitszentrum errichtet und ist nun in der Region Estaquinh, Barada und Mangunde aktiv - alle in der Provinz Sofala gelegen. Mit einem vielseitigen Konzept kann es gelingen, die Gesundheitssituation der umliegenden Gemeinden zu verbessern.

Ein wichtiger Aspekt der Arbeit sind die Gesundheitsaktivisten, auch "Activistas" genannt: Freiwillige, die selbst aus den umliegenden Gemeinden kommen, bringen die Bewohner/innen mit dem Gesundheitszentrum in Kontakt und kümmern sich um Hausbesuche. Ausgestattet mit Fahrrädern und medizinischem Equipment zur häuslichen Erstversorgung besuchen sie die zum Teil weit entlegenen Gemeinden drei bis vier Mal in der Woche. Mit regelmäßigen Besuchen sensibilisieren sie die Bewohner/innen zu Gesundheitsthemen und leisten zugleich Präventionsarbeit für HIV/ Aids und andere Infektionskrankheiten. Im Laufe von zwei Jahren werden so 65.000 Menschen erreicht.

Jutta Herzenstiel, Referentin von Caritas international, erläutert: "Die freiwilligen Helfer kommen selber aus den ländlichen Gemeinden im Umkreis der Mission Estaquinha. Die meisten von ihnen arbeiten in ihren Heimatgemeinden und genießen daher großes Vertrauen". Im Gesundheitszentrum Estanquinha schulen Krankenpfleger/innen die Freiwilligen. So lernen sie, die Entstehung und den Verlauf der gängigsten Krankheiten wie zum Beispiel Malaria, Tuberkulose und Cholera zu erkennen und möglichst die Behandlung mit Medikamenten zu begleiten.

Aktive Vorsorge dank mobiler Gesundheitsaktivisten

FahrräderÜbergabe der Fahrräder an die GesundheitsaktivistenCaritas international

2016  wurden zwei weitere Zentren in Barada und Mangunde in das von Caritas international unterstützte Programm aufgenommen. Derzeit besuchen 46 Gesundheitsaktivisten mehrmals pro Woche die Gemeinden im Einzugsgebiet von Barada, Estaquinha und Mangunde. Auf ihrem Plan stehen neben den Hausbesuchen zahlreiche Treffen mit Gruppen und in Schulen. Kleinere Verletzungen und Erkrankungen können die Freiwilligen dank eines Medizinkits, mit dem sie ausgestattet werden, direkt vor Ort behandeln. Ihre Kernaufgabe: Sie sensibilisieren die Bevölkerung für Gesundheitsfragen und sorgen bei Bedarf für deren medizinische Betreuung oder auch einen Transport ins Krankenhaus nach Buzi oder Beira.

In den Gemeinden tätige traditionelle Hebammen begleiten werdende Mütter in das Gesundheitszentrum und stellen so deren gesundheitliche Versorgung sicher.  Dieser integrative Ansatz bringt traditionelle Heiler und Hebammen mit der modernen Medizin so zusammen, dass sich gegenseitig im Sinne der Gesundheit und im Interesse der Patienten und Patientinnen ergänzen. Immer mehr Frauen entbinden inzwischen in der sicheren Umgebung einer Krankenstation statt zu Hause.

Überzeugen und aufklären

Die Schüler und Schülerinnen von drei Missionsschulen erhalten regelmäßig Aufklärungsunterricht zu relevanten Hygiene- und Gesundheitsthemen. HIV / Aids soll in der Schule kein Tabu sein: Aufklärung ist hier die beste Vorsorge - und der einzige Weg, HIV-positive Schüler/innen vor Stigmatisierung zu schützen. "Dass Betroffene in den Familien und Gemeinden inzwischen offen über ihre Krankheit reden, ist auch ein Verdienst der Arbeit der Freiwilligen", bestätigt Herzenstiel. Die "Activistas" sind von allen gerne gesehen.

Sehr bedürftige Familien erhalten zudem von den Projektpartnern einen Essenskorb oder Saatgut, Setzlinge und Hühner. Ziel ist es, dass die Familien sich besser selber versorgen können. Um langfristig die Kost gesünder und vitaminreicher zu gestalten, werden gemeinsam mit den örtlichen Landwirtschaftsschulen 3.000 Obstbäume gepflanzt.

Zur Situation

Besonders in der Provinz Sofala ist der Gesundheits- und Ernährungszustand der Bevölkerung schlecht. Etwa 1,8 Millionen Menschen leben hier. Die Hauptgründe für die hohe Kindersterblichkeit in Sofala sind Malaria, Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen und HIV. Hinzu kommen chronische und akute Unterernährung, verursacht durch immer wiederkehrende Dürren und steigende Lebensmittelpreise. Viele der genannten Krankheiten ließen sich mit einfachsten Mitteln behandeln oder durch Aufklärungs- und Präventionsarbeit sogar verhindern.

Infektionen und Krankheitsfälle mit dem HIV-Virus sind in Sofala häufiger anzutreffen als in anderen Regionen des Landes. Schätzungen zufolge sind über zehn von hundert Personen unter den Jugendlichen bis 49-Jährigen HIV-positiv (2016). Auch die Rate der Kinder- und Säuglingssterblichkeit ist hoch: 56  Säuglinge von 1.000 Geburten sterben, ein Indiz für die mangelnde Gesundheitsversorgung von schwangeren Frauen. Und 78  von 1.000 Kindern sterben vor dem fünften Lebensjahr. Auf 25.000 Menschen kommt nur ein einziger augebildeter Arzt.

Ein weiteres Problem in der Region stellt die Verbreitung der Krankheit Tuberkulose dar. Auffällig ist, dass vor allem HIV-Positive mit dem Tuberkulose-Bakterium infiziert sind - etwa sechs von zehn Tuberkulose-Patienten. Weltweit sterben ein Viertel aller Aidspatienten an Tuberkulose.

Vorsorge kann Leben retten

Im Jahr 2009 hat der Staat das Ziel formuliert, die Anzahl die Neuinfektionen mit HIV in den folgenden fünf Jahren um ein Viertel reduzieren zu wollen. Um dieses Ziel zu erreichen,  werden u.a. Vorsorge und Aufklärungsarbeit unterstützt. Zugleich ist der Staat bemüht, Gesundheitszentren zu errichten, die auch für die Menschen in entlegenen Regionen erreichbar sind. Der Zugang zu medizinischer Erstversorgung ist enorm wichtig. Finanziell ist Mosambik mit der Umsetzung der Ziele überfordert und daher auf internationale Hilfe angewiesen. In einem der ärmsten Länder der Welt (Mosambik steht im Jahr 2016, gemeinsam mit dem Südsudan, auf dem Index über die menschliche Entwicklung auf Platz 181 von 188 Ländern) bieten die ländlichen Missionen Dienstleistungen im Bereich Bildung und Gesundheit, die sonst für die Bevölkerung hier kaum zugänglich sind. Eines dieser Gesundheitszentren entstand 2012 in der Region Estaquinha, die bis dahin besonders schlecht an das öffentliche Gesundheitssystem angeschlossen war.

 

September 2018