Alle Projekte

München

Mit Schrott die Umwelt retten

  • Projekt

Roland Ulrich, Betriebsleiter des Integrationsbetriebes RecyclingBetriebsleiter Roland Ulrich in der Halle des Recyclingbetriebes. Die Mitarbeiter zerlegen und sortieren hier täglich acht Tonnen Elektroschrott.

"Wenn wir nicht wären, würde der ganze Müll komplett über den Schredder geschickt werden", sagt Roland Ulrich und schaut in die Halle, die so groß ist wie ein Fußballfeld. Sein Blick schweift über viele Gittercontainer voller Laptops, Staubsauger und Bildschirmröhren.

Ulrich ist Betriebsleiter des Integrationsbetriebs Recycling, der Weißer Rabe GmbH, die zur Caritas gehört. Hier holen sie "das Gute" aus dem Müll raus – Gold, Kupfer und andere Metalle, aber auch die Kunststoffe können so wiederverarbeitet werden. Am Tag sind es rund acht Tonnen Elektroschrott, die 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zerlegen, sortieren und zum Weitertransport herrichten. Die meisten von ihnen haben eine psychische Erkrankung und finden keine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Recycling mit sozialem Auftrag

So auch Stefan Kurz (Name geändert). Er steht am Anfang des 30 Meter langen Fließbandes, trägt einen blauen Arbeitskittel, Handschuhe und Sicherheitsschuhe. In den Neunziger Jahren kam er mit den Eltern aus Rumänien nach München, vor zehn Jahren erkrankte er und konnte nicht mehr seinem gelernten Beruf nachgehen.

Der 33-Jährige öffnet einen Computer und zieht den Prozessor raus. Pro Kilo gibt es dafür 50 Euro, aus einer Tonne Platinen lassen sich bis zu 200 Gramm reines Gold gewinnen. Der Handel mit Elektroschrott ist zu einem weltweiten Geschäft geworden, an dem viele mitverdienen wollen.

Umweltschutz macht nicht reich

Fließband im Integrationsbetrieb Recycling in MünchenAm Fließband arbeiten 15 Mitarbeiter.Philipp Rudolf/ DCV

Betriebsleiter Ulrich erklärt mit bayrischem Dialekt die globalen Zusammenhänge. Er nimmt einen Schluck Kaffee und schüttelt den Kopf. Oft habe er Anfragen bekommen: aus Afrika, Asien oder Osteuropa. Gerade der Wohlstandsmüll aus Deutschland sei begehrt, denn viele weggeworfene Altgeräte funktionieren noch. Aber er und seine Mitarbeiter haben immer abgelehnt, die Geräte weiterzuverkaufen.

Denn die landen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den riesigen Müllhalden Afrikas. Dort verbrennen Arbeiter die Kabel, um das Kupfer freizulegen oder tauchen Platinen in Säure, die bis auf das Gold alles wegätzt. Die Arbeiter tragen meist keine Schutzkleidung und vergiften bei der Arbeit ihre Lungen oder ruinieren sich die Haut. Unter solchen Bedingungen ist die Gewinnspanne groß – und geht auf Kosten der Umwelt und der Arbeiter. Läuft Recycling nach westlichen Standards ab, bleibt nicht mehr viel übrig.

In der Halle geht die Entsorgung der PCs nach deutschen Arbeits- und Umweltvorschriften weiter. Stefan Kurz hat den ersten Arbeitsschritt erledigt und legt den Rechner wieder aufs Band. Seine Kollegen bearbeiten das Gerät weiter. So lange, bis am anderen Ende der Halle Gehäuse, Festplatte, Lüfter und Platinen in getrennten Körben landen. Sie werden in ausgesuchten Betrieben weiter recycelt.

Zum Schluss kommt doch noch der Schredder zum Einsatz. Die Maschine, groß wie ein LKW, häckselt die Kabel und trennt dann Metall und Kunststoff. Das Kupfer lässt sich noch weiter verkaufen – an seriöse Abnehmer, versteht sich. Der Kunststoff aus der Ummantelung geht nach Tschechien, wo eine Firma Ständer für mobile Verkehrsschilder daraus macht.

Links

Das tut die Caritas

... in Deutschland

Smarte Entsorgung für alte Handys

Das fordert die Caritas

Rohstoffe wiederverwerten

Handel und Verbraucher in der Verantwortung

Das tut die Caritas

... in Deutschland

Umweltschutz mit Plan

Das kannst du tun

Gegen die Verschwendung

Bewusster einkaufen