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Mali: Bessere Ernährung dank Weitsicht

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Frau erhält Geld für ihre Arbeit Dank eines Cash-for-Work Programms (Geld für Arbeit) kann die Bevölkerung kaufen, was im eigenen Haushalt fehlt. ENDA

Wenn die Nahrung in der ländlichen Region knapp wird, während die Hauptarbeit auf den Feldern anfällt, weil Pflanzzeit und Regenzeit ist, dann sind die Menschen besonders schnell geschwächt. In vielen nördlichen Regionen Malis wird frühestens im September wieder eine Ernte erwartet, doch die Getreidespeicher sind bereits seit einigen Wochen völlig leer. Zudem fehlte vor der Aussaat vielen das Saatgut.

Betroffen ist vor allem der Norden des Landes in den Regionen Kayes, Koulikoro, Ségou, Mopti, Gao. Die politisch instabile Lage in diesen Regionen erschwert zudem den Handel mit bezahlbaren Nahrungsmitteln und somit die Versorgung. Auch das Zentrum Malis, in dem die Diözese San liegt, ist von einer Ernährungskrise betroffen. Ernteeinbrüche im Anbauzyklus 2017 bis 2018 sind hier die Folge geringer Niederschläge im letzten Jahr.

Kurzfristig helfen - langfristig denken

Caritas international leistet kurzfristige Nahrungsmittelhilfe für eine viermonatige Übergangsperiode für über 530 akut betroffene Haushalte in den Gemeinden Koula, Fangasso, Ouan und Timissa im Norden der Diözese San sowie in den Regionen Kayes, Koulikoro, Ségou, Mopti, Gao. Ein Teil der Haushalte erhält durch die Projektpartner von Caritas international während vier Monaten von Juni bis September ein monatliches Nahrungsmittelpaket mit aus je 100 Kilogramm Reis, 20 Kilogramm Bohnen und fünf Liter Speiseöl. Darüber hinaus erhalten die Haushalte für den Kauf von ergänzenden Lebensmitteln monatlich einen Bargeldbetrag in Höhe von acht Euro.

Dabei behalten unsere Projektpartner eine mittel- bis langfristige Perspektive ständig im Blick. So wird zudem Saatgut für Getreide und für den Gemüseanbau ausgegeben und Frauen darin unterstützt, Gemüsegärten anzulegen. Eine Grundausstattung wie Hacken und Zäune sowie Behälter zur Bewässerung sind ihnen eine große Hilfe. Auch die Aufzucht von Ziegen wird gefördert, dabei spielen zwei Punkte eine wichtige Rolle: Ziegen können dank Milch und Fleisch eine vielseitige Ernährung mit Eiweiß fördern und zugleich gerade in Zeiten von Nahrungsmangel auf dem Markt verkauft werden.

Vorsorge für die kommenden Monate und Jahre

Die Verteilung von Saatgut kann wesentlich helfen, wenn es darum geht, schwache und von Nahrungsmangel besonders betroffene Haushalte zu stärken. Es ist umso wichtiger, dass sie dank der Saatgutausgabe die Anbauphase 2018 nutzten und für künftige Ernten selber sorgen können. Wer Saatgut erhält und eine erträgliche Ernte einfährt, wird die Hälfte der Ernte zurückgeben. So wird Getreide wie Sorghum, Hirse und Reis in Vorsorgespeicher eingelagert, um künftig die Engpässe besser bewältigen zu können. Der Notfallbestand für die Mangelperiode ist hierfür ein wichtiger Baustein, der schon jetzt mitgedacht wird. Die Speicher wurden bereits in Vorläufer-Projekten mit Unterstützung von Caritas international errichtet.

Im Rahmen eines Cash-for Work Programms (Geld-gegen-Arbeit)  kann jeweils eine Person eines Familienhaushaltes im Laufe eines Monats ausreichen Geld erwirtschaften. Die Arbeiten dienen den Gemeinden und ermöglichen den Aufbau einer Infrastruktur, die ihrerseits für die Ernährungssicherung tragend ist. Mit dem so verdienten Geld kann eine Familie monatlich mit 100 Euro Lebensmittel auf dem lokalen Markt zukaufen - damit bleibt zugleich das Geld in der Region bei denen, die auf den lokalen Märkten arbeiten. Knapp 2.000 Haushalte nehmen an dem Cash-for-Work Programm teil.

Männer beim Baum eines AbwassergrabensUm Wasser für die Felder möglichst effizient zu nutzen und Erosion zu vermeiden, baut die Bevölkerung Kanäle und erhät für die Arbeit Geld.ENDA

Cash-for-Work mit doppeltem Nutzen

Auf diese Weise werden Straßen ausgebaut und entlegene Gebiete besser angebunden, das Ausbildungszentrum der Gemeinden  Siribala und Diabali in der Region Ségou instandgesetzt, drei Wassersammelbecken ausgehoben (in den Gemeinde Sangha in der Region Mopti und N’Tilit in der Region Gao) sowie ein Deich angelegt und damit die Bewässerung für die Gemeinden verbessert. Zudem werden 15 Hektar Gemüseanbaufläche entstehen. Ergänzend werden in einigen Dörfern fehlende Werkzeuge wie Hacken, Schubkarren und Schaufeln oder auch Baumaterialien wie Zement, Sand und Kies bereitgestellt.

Auf diese Weise kann die Infrastruktur verbessert werden, die es unbedingt braucht, um in der Region die Kapazitäten der betroffenen Gemeinden für die eigene Ernährungssicherung zu stärken. Mit der besseren verkehrstechnischen Anbindung, einer erhöhten landwirtschaftlichen Produktion sowie der Vorratsspeicherung sind die Gemeinden künftig gegen Ernährungskrisen besser gewappnet.

Zur Situation

Nach Angaben der Vereinten Nationen von Juli 2018 ist Mali von einer Ernährungskrise betroffen, mehr als vier von fünf Personen sind auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen oder unterernährt. Bereits im Mai 2018 waren 885.000 Menschen direkt gefährdet und 3,4 Millionen Menschen werden sich in den Sommermonaten nicht ausreichend ernähren können, wenn sie nicht rechtzeitig Hilfe erhalten. Die Monate Juni bis September sind erfahrungsgemäß immer die härtesten, in denen Lebensmittel knapp werden, die Preise steigen und noch nicht abzusehen ist, wie die kommende Ernte ausfallen wird. Im September beginnt die Erntezeit.

 

September 2018