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Libanon: Zarte Pflanzen der Hoffnung

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Agrarigenieur Ali Abi Nassif bei der Arbeit.Agrarigenieur Ali Abi Nassif bei der Arbeit.Foto: Holger Vieth / Caritas international

Damit gerade die ältere Generation bei der Hilfe nicht außen vor bleibt, arbeitet Caritas international im Südlibanon mit dem lokalen Partner Amel zusammen. In dem Sozialzentrum der unlängst für den Nobelpreis vorgeschlagenen Nichtregierungsorganisation im Ort Khiam können Senioren zum Beispiel die Grundlagen der Gärtnerei erlernen oder an Kochkursen teilnehmen. Zur Hälfte bestehen die Teilnehmer aus Syrern und Irakern, zum anderen Teil aus Libanesen aus sozial schwachen Schichten. Viele der Neuankömmlinge in Khiam sind in die entlegene Region im Süden des Libanon gekommen, weil der Anteil an Flüchtlingen in Vergleich zur einheimischen Bevölkerung in anderen Landesteilen schon extrem hoch ist, oder weil sie Verwandte oder Bekannte in der Gegend haben.

"Wir bringen ihnen hier die Grundzüge der organischen Landwirtschaft bei", sagt der Agrarberater Ali Abi Nassif "Wir kommen ohne chemische Düngemittel aus und nutzen für unsere Pflanzen stattdessen Kompost, den wir aus dem Umland bekommen. Unser nächstes großes Projekt ist es, hier im Zentrum ein Gewächshaus zu bauen”, Ali Abi Nassif ist hier aber auch  Sozialarbeiter.

"Nicht jeder will gleich über seine Probleme sprechen", erläutert Abi Nassif weiter. "Aber bei der Gartenarbeit kommen die Menschen auf andere Gedanken und öffnen sich Stück für Stück. Und sie sind sehr wissbegierig, saugen alles auf. Wir wollen sie befähigen, dass sie ihre eigenen kleinen Gärten in ihren Unterkünften anlegen können. Dafür statten wir sie mit einem Starter-Paket aus und unterstützen sie natürlich auch mit unserem Know-how.” Die Senioren werden für die Kurse eigens mit Bussen aus den umliegenden Dörfern abgeholt und wieder zurückgebracht. Im Sozialzentrum lernen sie auch, wie sie leckere und gesunde Gerichte zubereiten.

Eine weitere Komponente des Projekts besteht in der psychologischen Arbeit. In Gruppensitzungen klärt eine Psychotherapeutin über psychische Erkrankungen auf und hält Vorträge über gesunde Ernährung. Alle der 500 Teilnehmer des Projektes haben auch die Möglichkeit, sich alleine oder mit ihren Angehörigen mit der Psychotherapeutin Faten Moussa zu treffen. "Wir ermutigen jeden hier, über seine Probleme zu sprechen," erklärt sie. "Doch es braucht auch oft seine Zeit, jeder reagiert anders auf Extremsituationen. Meine Tür steht aber natürlich immer offen.".

Oktober 2017