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Legale Hilfe für die Pflege zu Hause

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Pflegerin, Pflegebedürftige, CaritasmitarbeiterinDie 92-jährige Martina Junker freut sich, wenn Kazimiera Iskierska mit ihr Halma spielt. Caritas-Koordinatorin Ursula Gisder schaut in den Haushalten regelmäßig nach dem Rechten (von rechts).Markus Jonas/ DiCV Paderborn

Wenn Kazimiera Iskierska das Halma-Spiel aufbaut, lebt Martina Junker sichtlich auf. Gespannt beugt sich die 92-Jährige über das Spiel. Sie ist an Demenz erkrankt und auf Hilfe angewiesen. Seit drei Jahren übernimmt das die 58-Jährige Polin, die als Haushaltshilfe zu ihr gezogen ist.

Geschätzt sind es rund 150.000 Frauen, die in deutschen Haushalten betreuungsbedürftigen Menschen mehr oder weniger rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Die meisten sind nicht angemeldet, arbeiten illegal in Deutschland. Für die Caritas in Paderborn wurde das zum Problem, als immer mehr Familien die Verträge mit den Pflegediensten der Caritas kündigten - und diese kurz darauf für Probleme verantwortlich gemacht wurden, die aus einer nicht fachlichen Pflege resultierten. "Da konnten wir die Augen nicht länger zumachen", sagt Brigitte von Germeten-Ortmann vom Diözesancaritasverband Paderborn.

Die Verantwortlichen überlegten daraufhin, wie diese Frauen legal und geschützt in Deutschland arbeiten können. Mehrere Probleme galt es in den Blick zu nehmen: die Arbeitssituation der Haushaltshilfen, die Folgen für deren Familien zu Hause sowie den Bedarf an bezahlbarer "Rund-um-die-Uhr-Versorgung" für Pflegebedürftige in Deutschland. Zusammen mit 28 weiteren Caritasverbänden in ganz Deutschland startete der Diözesancaritasverband Paderborn im Jahr 2010 ein eigenes Haushaltshilfen-Projekt unter dem Namen Caritas24.

Gut vorbereitet für den Einsatz in Deutschland

Gruppenbild Caritas-KoordinatorinnenBestandteil des Projekts sind regelmäßige Treffen der Frauen, die in einer bestimmten Region arbeiten. In Paderborn lädt dazu Ursula Gisder, Koordinatorin beim örtlichen Caritasverband Paderborn (2. v. r.) alle zwei Monate ein.Jürgen Sauer/ DiCV Paderborn

Zentrales Element des Projektes ist die Kooperation mit der Caritas in Polen. Die schaut nach den Familien der Haushaltshilfen und kümmert sich um die Betreuung der Kinder. Außerdem bereitet sie die Frauen sprachlich und fachlich auf ihren Einsatz in Deutschland vor. Im Gegenzug betreut die Caritas in Deutschland die Haushaltshilfen aus Polen, prüft, ob Einsatzstelle und Interessentin zusammenpassen und sorgt für faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Arbeitgeber der polnischen Betreuerin ist der Privathaushalt. Die Haushaltshilfen werden nur bei Patienten eingesetzt, die von einer Caritas-Sozialstation beraten, begleitet oder ambulant gepflegt werden. Damit ist auch der Schutz des Pflegebedürftigen sichergestellt.

Die Caritas bietet Serviceleistungen wie die Lohnabrechnung an und sorgt für polnisch sprechende Ansprechpersonen wie Ursula Gisder. Die Koordinatorin des Caritasverbandes Paderborn steht im Kontakt mit den rund 30 Haushaltshilfen und Familien, weiß wie es ihnen geht und kann als gebürtige Polin bei Sprachproblemen oder Konflikten helfen. Sie hat auch Kazimiera Iskierska an ihre neue Stelle vermittelt. Bei Martina Junker fühlt sie sich wohl, hofft, dass sie noch lange bleiben kann. Ihre beiden Kinder sind schon erwachsen - auch sie leben im Ausland, um zu arbeiten.

Spenden für das Projekt fließen in Polen in die Finanzierung von Sprachkursen. Deutschkenntnisse sind der Schlüssel zur Eigenständigkeit der Betreuerinnen.

Links

Sozialcourage

Erzbistum Paderborn

Mama geht ins Ausland

Leitfaden

Faire Rahmenbedingungen

Haushaltshilfen legal beschäftigen

Gut zu wissen

Illegal in Deutschland

Leben in der Schattenwelt

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Pflege und Migration in Europa