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Kolumbien: Hilfe für Landminenopfer

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Minen in FeldernAufgrund der vielen Minen kann Feldarbeit in der Region Samaniego lebensgefährlich sein.Foto: Jürgen Escher/Caritas international

Mit dem von der Regierung und der Guerillaorganisation FARC im November 2016 unterzeichneten Friedensvertrag wächst in Kolumbien die Hoffnung, dass ein jahrzehntelanger Konflikt beigelegt wird. Beide Parteien halten sich bisher an die Vereinbarungen, doch die Gewalt bleibt: Bewaffnete Gruppen sorgen weiter für Konflikte und Unsicherheit. Landminen lassen großflächige Gebiete in fast allen Departements Kolumbiens zu gefährlichen Sprengfallen werden und Kampfstoffe verseuchen den Boden vor allem im ländlichen Raum auf Feldern und in Wäldern.

Fast 10.000 Minenopfer gab es seit den 1990er Jahren in diesem Konflikt, darunter viele Bauern und ihre Kinder. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 wurden dreißig Menschen durch Vorfälle mit Landminen und Explosionsfallen verletzt. Neben der Gefahr für Leib und Leben sind die Bauern aber auch bei der Bewirtschaftung ihrer Felder, die ihre Existenz sichern, eingeschränkt.

Sicheres Verhalten lernen

Die Departements Nariño, Caquetá und Chocó  im Südwesten Kolumbiens sind besonders betroffen. Hier umfasst das Projektgebiet hundert Gemeinden, in denen die Bevölkerung umfassend vor den Landminen geschützt werden soll. Da mit einer organisierten Minenräumung durch die Regierung in nächster Zeit nicht zu rechnen ist, setzt das Projekt den Hauptfokus auf Aufklärung. Denn die meisten Menschen wissen zu wenig über die Risiken durch Landminen. Kenntnisse über Gefahrenquellen und sichere Verhaltensweisen sind kurz- und mittelfristig der beste Schutz.

Ein Landminenopfer erzählt

Gefahren erkennen, Erste Hilfe, Opferbetreuung und Lobbyarbeit

Caritas international unterstützt ihre Partnerin Caritas Kolumbien und schult Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner in Gefahrenerkennung, Unfallvermeidung und Erster Hilfe. Zusammen mit den Gemeinden werden Bestandsaufnahmen durchgeführt und Selbstschutzpläne erarbeitet. Als Ausrüstung erhalten die Dörfer Erste-Hilfe-Sets sowie Kampagnen- und Informationsmaterial wie Lautsprecher und Infoflyer.

Gemeinsam mit Caritas-Partnerorganisationen betreuen wir Opfer von Landminen und deren Familien. Die Kosten für medizinische Versorgung, Krankenhausaufenthalte, Prothesen, Gehhilfen und Transporte werden übernommen. Die Betroffenen erhalten Rechtsberatungen und Hilfe bei der Inanspruchnahme von staatlichen Leistungen. Bei besonderer Bedürftigkeit unterstützt die Caritas die Familien mit Lebensmitteln und einer Unterkunft.

Doch Landminen haben nicht nur sichtbare körperliche Auswirkungen auf die betroffenen Frauen, Männer und Kinder durch den Verlust von Gliedmaßen, sondern bringen auch psychische Folgen mit sich. Viele Betroffene sind traumatisiert, sie müssen durch die plötzliche Mobilitätseinschränkung ihr komplettes Leben umstellen und verlieren nicht selten ihren Arbeitsplatz. Um sie auf ihrem schwierigen Weg zu begleiten, stellt Caritas international psychosoziale Hilfe und fördert Selbsthilfegruppen.

Auf politischer und öffentlicher Ebene schärft Caritas das Bewusstsein über die Gefahren durch Minen und die Rechte der Opfer. Gemeinsam mit den Kommunen werden Maßnahmen zur Opferversorgung erstellt und Minenaktionspläne sowie Fallstudien ausgearbeitet. Auf öffentlichen Foren treffen Regierung, Militär, Verwaltung und zivilgesellschaftliche Organisationen zusammen, um Maßnahmen gemeinsam zu planen und durchzuführen.

Die Caritas-Partnerin "Campaña Colombiana Contra Minas" verhandelt im Rahmen des Friedensvertrages mit anderen Akteuren über ein Ende der Verminung und setzt sich für ein humanitäres Abkommen ein.

Bereits seit 2007 lanciert und begleitet Caritas international Landminen-Projekte und ist Teil des "Aktionsbündnis Landmine".

Dieses Projekt wird mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt.

Januar 2019