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Kolumbien: Aktiv den Frieden fördern

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Mann, Frau und Sohn stehen vor einem HausBenjamin Sanguíno ist Bauer und zugleich Ortsvorsteher. Er vertritt die Interessen seiner Gemeinde und der Bauern.Foto: Jutta Müller

Die Region Catatumbo im Departement Norte de Santander im Nordosten Kolumbiens, an der Grenze zu Venezuela, ist geprägt von struktureller Armut und Gewalt. Seit den achtziger Jahren ist das Gebiet strategischer Operations- und Rückzugsort verschiedener Gruppen der Guerilla und des Paramilitärs. Durch den bewaffneten Konflikt zwischen den unterschiedlichen Parteien wurden in der Region mehr als 20.000 Menschen vertrieben, mehrere Tausend starben oder verschwanden. Nach Abschluss des Friedensvertrages hat sich die Lage nicht entspannt, im Gegenteil: Verschiedene bewaffnete Akteure kämpfen um das Territorium aus dem sich die FARC zurückgezogen hat.

In Catatumbo leben viele Kleinbauern. Da es an Alternativen mangelt, sie aber auch unter Druck gesetzt werden, leben viele von ihnen vom Kokaanbau. Zwischen 2014 und 2015 ist die Koka-Anbaufläche um 82 Prozent gewachsen, das entspricht 30.500 Hektar. Das zieht Drogenbanden an und damit steigt auch die Gewalt. Immer wieder werden Menschen ermordet. Die Bevölkerung muss dem Geschehen machtlos zusehen und wird mehr und mehr involviert und Teil des Systems. Es fehlen ihr Instrumente zur Selbstbestimmung, politischen Teilhabe, Konfliktbewältigung, einem gewaltfreien Zusammenleben und Perspektiven, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Nach mehreren Jahren unmittelbarer Nothilfe und Rechtsberatung für die Betroffenen dieses weitreichenden Konflikts hat Caritas international neue Wege eingeschlagen. Seit 2013 konzentriert sich die Arbeit der Caritas in Norte de Santander auf eine nachhaltige Friedensentwicklung.

Mit Bildung zum Frieden

Illustration aus einem der politischen Bildungshefte.Die Caritas Kolumbien hat eine ganze Serie von Informationsheften zur politischen Bildung herausgegeben und im Einsatz Foto: Caritas Kolumbien

Das Herzstück der Friedensförderung ist für Caritas die gesellschaftliche und politische Teilhabe der Bevölkerung. Auf dem Weg dahin brauchen die Menschen in Catatumbo Unterstützung. Es sind Kenntnisse, Kompetenzen und Stärke nötig, um die eigenen Interessen gegenüber der Gemeindeverwaltung und dem Staat formulieren und Rechte einfordern zu können. Caritas bildet dafür Multiplikatoren in Teilhabe, Interessenvertreung, Friedenspädagogik und Versöhnung aus, die das Wissen in ihre Gemeinden tragen. 

Am Ende des Projekts sollen die Gemeinden die Möglichkeiten ihrer politischen Teilhabe kennen. Dabei geht es um elementare zivilgesellschaftliche Grundrechte, beispielsweise wie man als Initiative einen Antrag stellt, welche Rechte gegenüber dem Staat bestehen und welche Pflichten die Verwaltung zu erfüllen hat. Die Bevölkerung hat gelernt, wie ein friedliches Zusammenleben funktioniert und Konflikte untereinander gewaltfrei gelöst werden.

Alternativen zum Kokaanbau

Eine weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Schaffung von Alternativen zum Kokaanbau, damit die Bevölkerung ihren Lebensunterhalt sichern kann. Dazu werden Produzentengemeinschaften gebildet, die Trainings in angepasster Agrarproduktion und Vermarktung erhalten. Mit dem Anbau ausgewählter landwirtschaftliche Produkte kann die eigene Ernährung verbessert und durch die Vermarktung der Produkte ein Einkommen erzielt werden.

Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

März 2018