Alle Projekte

Indonesien: Zurück ins Leben

  • Projekt

Eine junge Frau mit ihrem jungen Sohn und einem MannDie Sozialarbeiter von Mitra Alam besuchen Betroffene von HIV/AIDS auch in ihrem Zuhause.Caritas international / Holger Vieth

Die lokale Organisation Mitra Alam arbeitet schon seit mehr als einer Dekade im Bereich HIV/Aids: Aus Erfahrung wissen die Mitarbeitenden der Organisation, dass es bei der Hilfe für die Betroffenen nicht nur darum gehen kann, sie bestmöglich zu versorgen, sondern auch für ihre Anerkennung und Integration in die Gesellschaft zu kämpfen.

So organisiert und finanziert Mitra Alam die medizinische Versorgung der PatientINNen, macht Hausbesuche, leistet psychosoziale Unterstützung und berät zu antiretroviralen Therapien. HIV-infizierte Mütter und ihre Kinder erhalten Zusatznahrung und Nahrungsmittelhilfen.

Der andere wichtige Punkt in der täglichen Arbeit von Mitra Alam ist die Integration der Betroffenen in die Gesellschaft. "Das ist ein wichtiger Part unserer Arbeit, dem wir früher zu wenig Beachtung geschenkt haben", sagt Ligik Triyogo, der Direktor von Mitra Alam. "Die Akzeptanz in der Gemeinschaft ist ein wesentlicher Faktor für das Wohlergehen der Betroffenen von HIV/Aids", erklärt er. Viele Betroffene werden ausgegrenzt und sind daher verunsichert,sie ziehen sich zurück und leben oft in großer Armut, auch weil sie keiner regulären Arbeit nachgehen können. So muss zuerst einmal "Aufbauarbeit" geleistet werden, und das geschieht in Selbsthilfegruppen. Dort kommen die Frauen und Männer zusammen, können sich untereinander austauschen, gegenseitig stärken und Anregungen holen. In den Gruppen führt die Organisation Workshops durch, so beispielsweise zum Aufbau von Projekten und der Verwaltung von Organisationen. Ganz wichtig ist den Mitarbeitenden eine finanzielle Eigenständigkeit der Betroffenen, die ihnen einseits den Lebensunterhalt sichert und andererseits ein Schritt zurück in die Gesellschaft bedeutet. Mitra Alam unterstützt daher die Mitglieder beim Aufbau von Kleingeschäften und bietet Berufsausbildungen an.

Mitra Alam hat auch einen direkten Draht zur Politik und hilft mit ihrer Expertise bei der Erstellung von Richtlinien und Gesetzesvorhaben. Mit einem eigenen Advocacy-Team und Kampagnen, beispielsweise zum Welt-Aids-Tag kämpft die Organisation gegen Stigamtisierung und Diskriminierung

Dieses Projekt wird mit Mitteln vom Bundesamt für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Zur Situation

In Indonesien breitet sich das HIV-Virus trotz aller Bemühungen rasch aus. Die HIV-Quoten der Hochrisikogruppen werden von den Gesundheitsbehörden mit über fünf Prozent angegeben, die in der Gesamtbevölkerung mit weniger als einem Prozent. Allerdings stecken sich immer mehr Menschen auf anderen Wegen an, so dass auch immer häufiger Ehepartner oder Kinder infizierter Mütter das Virus übertragen bekommen - in der Altersgruppe der 15- bis 49-Jährigen hat sich die Rate etwa von 0,22% auf 0,43% fast verdoppelt. Landesweit wird von rund 620.000 Menschen mit HIV/AIDS ausgegangen, wobei die Dunkelziffer deutlich höher sein dürfte. Durch das enorme Stigma, dem sich HIV-Infizierte ausgeliefert sehen, outet sich nur ein kleiner Teil der Betroffenen. Aufgrund der mangelhaften medizinischen Versorgung, insbesondere auf dem Land, wissen viele Menschen auch lange nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Zwar wurden bereits Gesetze und Richtlinien der indonesischen Regierung verabschiedet und teilweise auch umgesetzt. Dennoch ist die Anzahl der Einrichtungen und Dienstleistungen gering, vor allem in ländlichen Regionen.

 

Mai 2018