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Haiti: Wiederaufbau eines Senioren- und Behindertenzentrums

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Binnen weniger Minuten zerstörte das Erdbeben das, was die die haitianische Ordensfrau Soeur Claudette in jahrelanger Arbeit aufgebaut hatte: Das „Asile St. Vincent de Paul“, ein Heim für betagte und behinderte Menschen, dem auch ein Kindergarten und eine Grundschule angegliedert sind.

Der Wiederaufbau als einzige lebenswerte Perspektive

Ältere Menschen in Rollstühlen im CampProvisorische Unterkunft kurz nach dem Beben.Caritas international

Es gab vielfältige Gründe für Caritas international, das Projekt zu unterstützen: Hier leben die schwächsten und verwundbarsten Menschen der Region, hier konnte schnell geholfen werden und ein Wiederaufbau bot die einzige lebenswerte Perspektive für die Betroffenen inmitten einer zerstörten und von Armut geprägten Stadt. Bereits in den ersten Monaten nach dem Erdbeben wurden praktikable Übergangslösungen für die Bewohner/innen des Heims und die Schulkinder geschaffen.

Da bei dem Beben auch mehr als 4.000 Schulen in Haiti zerstört wurden, war die Wiederaufnahme des Unterrichts für die Kinder eine der Prioritäten für Caritas international. Mit großer Unterstützung des Bündnis "Südbaden hilft" mit der Stadt Freiburg, der Badischen Zeitung und dem SWR-Studio Freiburg, die rund 505.000 Euro sammelten, konnte der Wiederaufbau des Kindergartens und der Schule komplett finanziert und umgesetzt werden.

Wiederaufbau in drei Phasen

Schulkinder im Klassenzimmer des  Asile.Ole Schmidt / Caritas international

Der Wiederaufbau des Zentrums erfolgte in drei Bauabschnitten. Bei der Wahl der Baumaterialien und der bauphysikalischen Vorbereitung wurde bereits die erdbeben- und hurrikansichere Bauweise berücksichtigt. Prof. Dr.-Ing. Werner Seim von der Universität Kassel prüfte als Experte alle Konstruktionspläne, und die Heidelberger Ingenieurin Doris Wasmeier untersuchte auf der Baustelle regelmäßig die verwendeten Materialien auf ihre Qualität.

Der erste Bauabschnitt konnte 2011 mit dem Schulabschluss fertiggestellt werden. In einem Land wie Haiti, in dem über die Hälfte der Bevölkerung nicht lesen und schreiben kann, ist der Schulbesuch noch immer etwas Besonderes. Viele Eltern wünschen sich zwar sehr, dass ihre Kinder in die Schule gehen, doch können viele das Schulgeld nicht aufbringen. Ihnen bietet das Zentrum die Möglichkeit, das Schulgeld durch die Mitarbeit in der Küche oder auf dem Feld zu verdienen. Mit dem Neubau der Schule konnte auch deren Kapazität vergrößert werden, so dass die Kinder bis zur vierten Klasse bleiben können.

In den zwei weiteren Bauabschnitten bis 2013 wurden die Schlafsäle für die alten und behinderten Bewohner/innen errichtet, eine Küche und Cafeteria, ein Speisesaal, eine Wäscherei, Mehrzweckräume und Stallungen. Insgesamt 30 neue Gebäude stehen nun bereit.

In einer Gesellschaft, der es am Allernötigsten fehlt, ist ein Heim dieser Art einzigartig und mit der Vergrößerung des Zentrums kommt das Projekt dem gestiegenen Hilfsbedarf der Menschen entgegen.

Zur Situation

Bei dem Erdbeben der Stärke 7,3 am 12. Januar 2010 starben in Haiti nach Schätzungen der UN mindestens 250.000 Menschen, rund 1,5 Millionen Menschen verloren ihr Zuhause. In der Hauptstadt Port-au-Prince stürzten ganze Häuserzeilen ein, Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser wurden völlig zerstört und das Strom- und Telefonnetz brach zusammen. Die Stadt Léogâne, 30 Kilometer von Port-au-Prince entfernt, wurde praktisch dem Erdboden gleich gemacht. Rund 90 Prozent der vorhandenen Bausubstanz in Léogâne wurden zerstört, und auch auf dem parkähnlichen Gelände des "Asile St. Vincent de Paul" blieb kein Stein auf dem anderen. Fast alle 20 Gebäude brachen zusammen, zwölf Heimbewohner verloren bei der Katastrophe ihr Leben. Glücklicherweise waren die Schulkinder an diesem Nachmittag bereits nach Hause gegangen

 

Oktober 2016