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Haiti: Nothilfe, Wiederaufbau und Strukturhilfe

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Video: Haiti earthquake five years on, Caritas internationalis

Bereits unmittelbar nach dem Erdbeben in Haiti am 12. Januar 2010 leistete das internationale Caritas-Netzwerk Not- und Katastrophenhilfe - zunächst durch die Verteilung von Hilfsgütern wie Trinkwasser, Lebensmittel, Matratzen, Zelte, Medikamente. Rund 1,5 Millionen Menschen konnte Caritas mit Lebensmitteln versorgen, 100.000 Zelte wurden bereitgestellt und 350.000 Patienten innerhalb der ersten Jahreshälfte 2010 in den Caritas-Gesundheitszentren versorgt. In kürzester Zeit wurden 21 provisorische Hospitäler und Ambulanzen aufgebaut.

Die ersten Wochen und Monate waren geprägt von chaotischen Zuständen, Tot und Zerstörung waren allgegenwärtig. Die Wucht des Bebens hatte in der Hauptstadt Port-au-Prince auch die gesamte politische und administrative Infrastruktur des Landes in Trümmer gelegt. Damit waren die Herausforderungen für eine schnelle und effektive Katastrophenhilfe enorm. Dass dieser Hilfseinsatz langen Atem und Ausdauer erfordern wird, war schnell klar. So hat Caritas international die Planungen langfristig angelegt. Dank der gewaltigen Hilfsbereitschaft der Spenderinnen und Spender war es möglich, in mehr als 40 Einzelprojekten über Jahre hinweg helfen zu können. Eine Auswahl der Projekte:

Zentrum für Senioren und Menschen mit Behinderung

Mehr als 80 Prozent der Gebäude in der Stadt Léogâne sind beim Erdbeben eingestürzt. Das Zentrum "Asile St. Vincent de Paul", in dem Senioren und behinderte Menschen untergebracht und dem auch eine Grundschule und ein Kindergarten für bedürftige Kinder angegliedert sind, wurde fast vollständig zerstört. Caritas international baute mit Hilfe der Aktion "Südbaden hilft" das generationenübergreifende und integrative Zentrum „Asile St. Vincent de Paul" erbeben- und hurrikansicher wieder auf. Ein ganzer neuer Komplex mit Schule, Kindergarten, Wohnräumen für Senioren und behinderte Menschen, Mehrzweckhalle, Cafeteria, Wäscherei, Küche und Speisesaal ist entstanden.

Ausbildungszentrum und Wiederaufbau von Häusern

Zwei Männer im Klassenraum prüfen mit einem Winkel ein Holzstück.In der Schreinerausbildung.Caritas international

Da es in Léogâne an beruflichen Bildungseinrichtungen fehlte, waren die junge Leute gezwungen nach täglich nach Port-au-Prince zu fahren. Doch das Erdbeben zerstörte in Port-au-Prince alle Berufschulen.

Im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe lag die Idee nahe, während der Wiederaufbau-Projekte in Haiti gleich die benötigten Fachkräfte auszubilden. So entstand in Léogâne ein Berufsausbildungszentrum für Baufachberufe, Elektrik, Installation, Schreinerei und Automechanik. Die Bau-Auszubildenden wurden in ihrer praktischen Ausbildung am Wiederaufbau von zerstörtem Wohnraum beteiligt. Ein Schwerpunkt der Ausbildung liegt in erdbeben- und hurrikansicherer Bauweise. Unter der Federführung von Bauexperten entstanden Wohnhäuser für bedürftige Familien. Caritas international finanzierte den Bau der Wohnhäuser (siehe Video in der Randspalte) und den Bau und die Ausstattung des Ausbildungszentrums und unterhielt bis August 2014 dessen Betrieb. Seit 2014 wird das Zentrum von der haitianischen Trägerorganisation weitergeführt. Das Projekt konnte durch die Hilfe des Aidlinger Vereins Pro Haiti e.V. und anderen deutschen Initiativen wie der Paderborner BIOHAUS-Stiftung realisiert werden.

Medizinische Hilfe

Verletztes Kind in einer Ambulanz der CaritasVerletztes Kind in einer Caritas-Ambulanz.Katie Orlinsky, Caritas

Gemeinsam mit dem Missionsärztlichen Institut Würzburg (MI) und deren Partner Apotheker ohne Grenzen errichtete Caritas unmittelbar nach dem Erdbeben zwei Gesundheitsstationen. Eine davon wurde zu einem Gesundheitszentrum ausgebaut, das heute die größte medizinische Erstversorgung in Léogâne gewährleistet und beim Ausbruch der Cholera eines der wichtigsten Anlaufstellen war und noch immer ist.

Rund 90 Patienten werden im Gesundheitszentrum pro Tag behandelt.

Psychosoziale Betreuung

Direkt nach dem Beben spielte die psychosoziale Betreuung zunächst nur eine geringe Rolle, denn die direkte Nothilfe beanspruchte alle verfügbaren Kräfte. Wie viele Menschen in Haiti aber durch das Erdbeben traumatisiert waren, zeigte sich massiv in den Folgemonaten. Daher errichtete Caritas international in Zusammenarbeit mit der Organisation IPSO mehrere soziale Zentren für traumatisierte Menschen. Zugleich wurden so Grundlagen für die Entwicklung der sozialen und psychosozialen Arbeit in der Region gelegt. Das psychosoziale Projekt wurde bis April 2013 von Caritas international gefördert.

Mädchenwohnheim und -schule

Ein Mädchen sitzt am Pult und schreibt.In der Mädchenschule.Andrea Zauner / Caritas international

Mädchen und Frauen sind in Haiti von Ausgrenzung und Armut besonders betroffen und etwa 60 Prozent von ihnen sind Analphabeten. Insbesondere sexuelle Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet und Mädchen, die auf der Straße leben, werden häufig Opfer von Prostitution und Menschenhandel. Gemeinsam mit der Caritas Österreich und den haitianischen Salesianerinnen hat Caritas international nach dem Erdbeben ein Wohnheim für besonders marginalisierte Mädchen aus Elendsvierteln in Croix des Bouquets gebaut. In kleinen Gruppen leben hier die Mädchen zusammen, sie erhalten Schulbildung und lernen, in einem sozialen Umfeld selbstbewusst und zielgerichtet vorzugehen. Das Projekt wurde finanziell von BILD Hilft e.V. und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützt. (Siehe Video in der Randspalte)

Straßenkinder in Port-au-Prince

Mehrere Kinder schauen in die KameraStraßenkinderzentrum in Port-au-Prince.Ingmar Neumann / Caritas international

Die Zahl der Straßenkinder in den Armenvierteln von Port-au-Prince ist hoch und es lauern dort viele Gefahren.

Das "Foyer Caritas Saint Antoine", das Caritas international unterstützt, ist seit vielen Jahren ein wichtiger Rückzugsort für die Straßenkinder. Hier erhalten sie pädagogische Betreuung, Förderung und Beratung. Neben juristischen Hilfeleistungen werden die Kinder und Jugendlichen auch über Drogenmissbrauch und Geschlechtskrankheiten aufgeklärt. Bei der Suche nach ihren Familien erhalten die Kinder Unterstützung, Aus- und Weiterbildungen bieten Alternativen zum Leben auf der Straße.

Partnerschaft mit der Caritas Nippes

In der schwer vom Beben betroffenen Diözese Nippes hat Caritas international verschiedene Projekte zur Struktur- und Entwicklungshilfe aufgebaut. Geleistet wurden unter anderem Nahrungsmittelhilfen für Schulkinder. In den ländlichen Gemeinden entstand ein langfristiges Projekt zur Katastrophenvorsorge. Dazu gehören neben Erosionsschutz und weiteren landwirtschaftlichen Maßnahmen auch der Aufbau von Katastrophenschutz-Komitees. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Bilanz

Insgesamt konnte Caritas international rund 21 Millionen Euro an Spendengeldern für die Wiederaufbauhilfe in Haiti sammeln. Diese Gelder sind in den vergangenen Jahren eingesetzt worden. Darunter gingen unter anderem rund 3,1 Millionen Euro an das Ausbildungszentrum in Léogâne, 2,8 Millionen Euro an die Gesundheitsstation und rund drei Millionen Euro wurden für den Wiederaufbau des Heims Asile St. Vincent de Paul eingesetzt. Weitere 1,5 Millionen Euro kamen dem Hausbau und 1,1 Millionen Euro der Katastrophenhilfe- und vorsorge in der Diözese Nippes zugute.

Zur Situation

Bei dem Erdbeben der Stärke 7,3 am 12. Januar 2010 starben in Haiti nach Schätzungen der UN mindestens 250.000 Menschen, rund 1,5 Millionen Menschen verloren ihr Zuhause. In der Hauptstadt Port-au-Prince stürzten ganze Häuserzeilen ein, Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser wurden völlig zerstört und das Strom- und Telefonnetz brach zusammen. Die Stadt Léogâne, 30 Kilometer von Port-au-Prince entfernt, wurde praktisch dem Erdboden gleich gemacht. Die Auswirkungen des Bebens waren vor allem durch die maroden Gebäude und minderwertigen Baustoffe, die verwendet wurden, so immens.

 

Oktober 2016