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Haiti: Hilfe nach dem Sturm

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Haiti: Nothilfe und WiederaufbauEs sind die einfachsten aber elementarsten Dinge, die nach dem Sturm benötigt werden.Foto: CRS

Der Wirbelsturm "Matthew" traf Haiti ins Herz, als er an zwei Oktobertagen 2016 über das Land der Karibik fegte. Er richtete verheerende Schäden an. An manchen Orten hatte der Sturm keinen Stein auf dem anderen gelassen. Wasser- und Stromnetz funktionierten nicht mehr, zerstörte Straßen erschwerten die Versorgung der Bevölkerung. Nach dem verheerenden Erdbeben 2010, von dem sich Haiti bis heute nicht erholt hat, gab es keine vergleichbare Katastrophe im Land, die eine humanitäre Krise dieser Größe auslöste. Unmittelbar nach dem Sturm benötigten 1,4 Millionen Menschen humanitäre Hilfe.

Das Land liegt in der Wirbelsturmschneise in der Karibik. Fast jedes Jahr wird Haiti von Überschwemmungen, Erdrutschen und dem Abtrag der Bodenkrume betroffen. Ernten werden vernichtet, viele Menschen verlieren ihr Vieh. Für die ländliche Bevölkerung existieren so gut wie keine Frühwarnsysteme oder Evakuierungspläne. Krankenhäuser oder Wasser- und Abwasserversorgung sind kaum vorhanden. Die intensive Abholzung und eine nicht an die Gefahren der Stürme und Fluten angepasste Landwirtschaft sorgen für erodierende Böden und verstärken so die Risiken einer Katastrophe.

Fotogalerie HaitiNicht wenige stehen nach dem Hurrikan wieder einmal vor dem Nichts.
Foto: Caritas international

Besonders prekär war die Situation 2016 im Département Nippes - hier sind mehr als 57.500 Familien von Sturmschäden betroffen. Nahezu 80 Prozent der Ernten wurden vernichtet. Durch die schweren Regenfälle, die "Matthew" begleiteten, kam es hier zu weitläufigen Überschwemmungen. Sie erhöhten das Risiko von Epidemien wie Cholera und Durchfallerkrankungen. Bis heute haben sich viele Familien von den Verlusten und Schäden, die sie erlitten haben, nicht erholt. Weil hier ein großer Teil der Bevölkerung von Armut betroffen ist, sind die Menschen besonders verwundbar. Auch die Ernährung ist für viele Familien nicht gesichert.

Nothilfe und Katastrophenvorsorge greifen ineinander

Die Nothilfe, wie sie von Caritas international unmittelbar nach dem Sturm im Département Nippes geleistet wurde, konnte viel Leid lindern - dank der Verteilung von Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln, Tabletten zur Wasserentkeimung und Baumaterial für die Reparatur der Häuser. Von dieser Nothilfe unberührt bleibt jedoch das hohe Risiko, dass sich in der Region erneute Katastrophen ereignen. Genau davor will die Caritas die Menschen in Nippes besser schützen. Mit einer weitsichtigen Katastrophenvorsorge, die bereits 2013 mit Unterstützung von Caritas international ermöglicht wurde.

Diese setzt an verschiedenen Ebenen an: Die Gemeinden werden mit Notfallplänen und Katastrophenkomitees besser auf eine Katastrophe vorbereitet. Die Infrastruktur und die Anbaumethoden in der Landwirtschaft werden verbessert, um das Risiko von Schäden zu minimieren. Und besonders verwundbare Familien werden wirtschaftlich so gestärkt, dass sie ihre Ernährung verbessern können. Auch können sich die Menschen, weil sie mehr wissen und sich gegenseitig unterstützen, im Falle künftiger Katastrophen besser schützen.

Beim Sturm "Matthew" zeigte sich, dass die Katastrophenvorsorge in Nippes auch Erfolg hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei Schutzgebäude fertiggestellt worden, in denen über 500 Menschen Zuflucht fanden. Im Projektgebiet, der Gemeinde Petite-Rivière, kam es trotz erheblicher Sachschäden zu keinem einzigen Todesfall im Zuge des Hurrikans. Damit wurde deutlich, wie gut die Sensibilisierung und die Schulungen in Erster Hilfe sowie die Evakuierungsübungen griffen.

Saatgut, Baumaterial, Cash-for-Work

Mit der Verteilung von Saatgut für schnell wachsendes Gemüse und einer Anleitung zum Anbau konnte nach dem Sturm recht zügig ein wichtiger Teil der Ernährung gesichert werden. Zudem erhielten zahlreiche Familien Material zur Reparatur ihrer Häuser. Dabei wurde die Bauweise klug verstärkt und an Unwetter besser angepasst.

Ein Cash-for-Work Programm, das nun in 2019 erneuert wird, bindet Haushalte in die Instandhaltung und den Aufbau des Erosionsschutzes ein. Gemeinschaftlich reparieren die Menschen Böschungen, Erosionsschluchten und Wege. Auf diese Weise werden im Laufe der kommenden Jahre Steinschwellen auf 4.000 Quadratmetern und Erosionsschluchten auf 12.000 Quadratmetern instand gesetzt, sowie rund 20 Kilimeter wichtige und teils zerstörte landwirtschaftliche Wege.

Die Familien erhalten Geld für die Arbeit und können mit dem Lohn Nahrungsmittel und Dinge des täglichen Bedarfs kaufen. Besonders arme und verwundbare Familien erhalten eine finanzielle Unterstützung ohne Gegenleistung.

Wer sich besser auskennt, kann sich besser schützen

Zur Katastrophen-Frühwarnung wird eine Radioanlage installiert. Die geplanten Radiosendungen informieren zu Themen wie Vorsorge, Umweltschutz und Choleravorsorge. Ein zentrales Element der Vorsorge sind lokale Katastrophenkomitees, die sich vor Ort gut auskennen und nachbarschaftliche Netzwerke stärken. Sie erhalten Schulungen, damit die Frühwarnsysteme eingespielt werden und funktionieren. Auch erstellen sie verbesserte Notfallpläne. Und die Arbeit der Komitees wird mit der Zivilschutzbehörde besser abgestimmt.

Die Caritas Nippes baut zudem eine weitere Schutzunterkunft. Sie erlaubt, dass 70 Personen im Falle einer Katastrophe an einem sicheren und trockenen Ort verweilen können. Zwei bereits existierende Schutzgebäude in den Gemeinden Miragoâne und Petite Rivière  werden für den Katastrophenfall fertig eingerichtet.

Klimawandel und Ernährung mitdenken

Auch die Landwirtschaft kann an mögliche Katastrophen besser angepasst werden - zum einen durch angemessene Anbaumethoden, zum anderen durch eine durchdachte Daseinsvorsorge. In Solidaritätsgruppen bearbeiten die Familien künftig gemeinsam ihre Ackerflächen und schließen sich zu Solidarkassen zusammen. So können die Mitglieder günstige Kredite erhalten, zum Beispiel für landwirtschaftliche Geräte. Außerdem führt die Caritas Nippes Workshops zu Ackerbau, Viehzucht, Erosionsschutz und Funktionsweisen von Solidarkassen durch. Es geht also um den Schutz der natürlichen Ressourcen und ein stabiles Produktionsmodell, das die Ernährung sichern und den Auswirkungen des Klimawandels standhalten kann. Auf Musterparzellen machen die Mitarbeiter der Caritas Nippes die Bevölkerung mit einem solchen Modell vertraut.

November 2018

 

Zur Situation

"Matthew" war 2016 der gewaltigste Wirbelsturm, der seit Jahrzehnten an der Ostküste des amerikanischen Kontinents wütete. Am stärksten traf er am 4. und 5. Oktober 2016 den Südwesten Haitis und löste dort die schwerste humanitäre Krise seit dem verheerenden Erdbeben 2010 aus.470 Menschen verloren bei der Katastrophe ihr Leben und rund 2,1 Millionen Menschen sind laut dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UN OCHA) von den Auswirkungen des Sturms direkt betroffen.Mancherorts wurden bis zu 90 Prozent der Gebäude zerstört oder beschädigEs gab massive Zerstörungen an den Infrastrukturen, wie Straßen, Wasser- und Stromnetz. Gemäß dem nationalen Katastrophenschutz sind im Département Nippes mehr als 57.000 Familien von Sturmschäden getroffen. Allein hier wurden 22.660 Häuser komplett zerstört, viele weitere unbewohnbar. Schwer wog hier auch die Zerstörung der Landwirtschaft: In manchen Regionen wurden mehr als 80 Prozent der Ernten vernichtet. Damit war die Ernährung der Menschen nicht mehr gesichert.