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Israel/Palästina: Frieden möglich machen

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Kinder beim Spielvoneinander lernen, miteinander erleben: das ist das Konzept der Friedensarbeit des Jaffa Institute mit Kindern  Dominik Asbach

"Building better Bridges" nennt sich das Friedensprogramm des "Jaffa-Institute", was so viel heißt wie: bessere Brücken bauen. Ein Grundpfeiler dieser Brücken, die zwischen arabischen und jüdischen Kindern errichtet werden, ist Bildung. Denn so, wie Feindschaft meist auf Vorurteilen gründet, erreicht man Annäherung, Verständnis und ein versöhnliches Miteinander am besten über Wissen, geteilte Erfahrungen und gemeinsames Erleben.  

Interkulturelle Arbeit

In Grundschulen steht für 600 arabische und jüdische Kinder vormittags "interkulturelle Arbeit" auf dem Stundenplan. Initiiert und durchgeführt wird diese Unterrichtseinheit von vier Friedenspädagoginnen des Jaffa Institutes. Sie haben dafür einen systematischen Lehrplan entwickelt, der mit 18 Lehreinheiten zu je zwei Schulstunden während des gesamten Schuljahres greift.

In den Kursen lernen und erfahren die Kinder - altersgerecht konzipiert - welche kulturellen und religiösen Haltungen und Handlungen dem arabischen und dem jüdischen Alltagsleben zugrunde liegen. Die Wissensvermittlung darüber macht nur einen kleinen Teil aus, denn insbesondere geht es darum, Erfahrungen und Lebensweisen zu teilen. So werden gemeinsam religiöse oder traditionelle Feste vorbereitet und gemeinsam erlebt.

Hauaufgabenbetreuung, Musikunterricht und Bastelgruppen

Auch ein umfangreiches Nachmittagsangebot geht auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder aus den sozial benachteiligten Familien ein: Hausaufgabenbetreuung und Musikunterricht sowie Bastel- und Malgruppen sind hier Teil des Angebots für 150 Kinder. Es gibt einen Spielplatz und Sportmöglichkeiten.

Die meisten Kinder erleben in ihrem familiären Umfeld gravierende soziale Probleme. Armut, häusliche Gewalt, Drogen, überlastete Eltern, psychische Instabilität der Bezugspersonen oder Geschwister verunsichern diese Kinder, oft folgt Verwahrlosung. Für akute oder besonders problematische Fälle bietet die Schule Gruppentherapien an, ein Sozialarbeiter führt regelmäßig Hausbesuche durch und bietet Beratungssprechstunden an.  

Vorurteile überwinden - dank gemeinsamer Erfahrungen

Der enge Kontakt mit den Eltern ist für die Pädagoginnen und Pädagogen des Jaffa Instituts ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Die Eltern sind in verschiedenen Workshops und Kursen aktiv eingebunden. Hier werden Erziehungsfragen ausgehandelt, und zugleich bilden die Treffen den Rahmen zum gemeinsamen Feiern von religiösen Festen mit den Kindern. Der interkulturelle Austausch festigt so nicht nur Toleranz und gegenseitiges Verständnis in der Schule selbst, sondern reicht bis in die Familien und Stadtteile hinein.

PortraitFriedenspädagogin des Jaffa InstituteDominik Asbach

Im letzten Jahr wurden 30 Studierende als Jugendleiter/innen ausgebildet, die nun in der Jugendarbeit interkulturell aktiv sind - also Brücken schlagen, indem sie unterschiedliche Erfahrungen, aber auch Gemeinsamkeiten in einem Dialog einbringen und dadurch den Fokus auf gemeinsame Ziele legen, die Jugendliche miteinander verbinden.

Das Jaffa Institute, das auch ein Projekt für Migrantenkinder leitet, arbeitet zudem eng mit dem Ministerium für Gesundheitswesen zusammen. Mit Seminaren zu Themen wie Gewaltprävention und Bewerbungstrainings für die Eltern wendet sich das Institut auch gezielt an andere Teile der Bevölkerung, um die Gemeinde als Ganzes zu unterstützen und zu stärken.

"Building better Bridges" als Vorzeigeprojekt

Mit "Building better Bridges" hat das Jaffa Institute den Friedensunterricht mit großem Erfolg in die Grundschulen getragen. Längst ist aus dem ehemaligen Pilotprojekt Programm geworden: 2012 wurde Building better Bridges in den allgemeinen Lehrplan integriert.

Auf der Basis ihrer Erfahrungen bilden die Projektmitarbeitenden für die langfristige Weiterentwicklung der Friedensarbeit an Schulen nun 60 Lehrer und Lehrerinnen in der interkulturellen Bildungsarbeit aus. Zudem entwickeln sie gemeinsam Materialien für die Kurse. Es geht darum, Konflikte schnell zu erkennen, Lösungswege zu finden und mit Vorurteilen so umgehen zu können, dass sie sich nicht gegen Personen wenden, sondern hinterfragt werden.

Wenngleich hier Veränderungen auf der Ebene von Haltungen und Werten angestrebt werden, lassen sich die Erfolge durchaus messen: Die Wirkung von manifesten Vorurteilen lässt signifikant nach. Eine Evaluierung der Bar-Ilan Universität belegt die veränderte Wahrnehmung der Kinder und ihre Haltungen gegenüber der anderen Gruppe - und bekräftigen damit das Ziel des Programms:  Ein friedliches Zusammenleben von Juden und Arabern ist möglich!

Juli 2016

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