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DR Kongo: Perspektiven für Kinder in schwierigen Lebenslagen

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DR Kongo: Ausbildung für Jugendliche aus MalakaDie Jugendlichen werden sechs Monate gefördert, bevor sie an einen Handwerksbetrieb auf eine Ausbildungsstelle ermittelt werden.Volker Gerdesmeier

In Kinshasa geraten viele Kinder mit dem Gesetz in Konflikt – vor allem Kinder in schwierigen Lebenssituationen, die auf der Straße leben. Sie sehen sich, wenn sie erwischt werden, einem rigorosen und teils willkürlichen Strafsystem  gegenüber. In der Regel werden sie in das städtische Zentralgefängnis Makala eingeliefert. Nicht selten werden diese Kinder „vergessen“, da sich niemand um die weitere Verfolgung des juristischen Prozesses kümmert. Derzeit leben etwa 300 Kinder im Gefängnis Makala.

Wenn die Gesellschaft sich nicht sorgt

Sofern es den Kindern gelingt, das Gefängnis Makala irgendwann zu verlassen, haben sie kaum eine Zukunftsperspektive. Denn eine Reintegration steht nicht auf dem regulären Plan der Behörden. So landen viele erneut auf der Straße. Um diesen Teufelskreis zu entkommen, fördert Caritas international die soziale Eingliederung der Kinder in die Gemeinden.

Ignoranz gegenüber den Rechten der Kinder fangen je nach Fall oft schon vor dem Strafvollzug an: Die zuständigen staatlichen Behörden kennen nicht immer die durchaus vorhandene Gesetzgebung zum Kinder- und Jugendstrafrecht. Oder sie haben nicht die Kapazitäten oder das notwendige Wissen, um die einzelnen Fälle angemessen zu bearbeiten, Zeugen zu vernehmen, eine Verteidigung angemessen zu ermöglichen. Damit wird das Recht der Kinder auf einen juristisch sauberen Strafprozess oftmals verletzt.

Der lange Weg zurück in die Normalität

Die Wiedereingliederung in das staatliche Schulsystem und eine sechsmonatige vorbereitende Fortbildung sind die zentralen Pfeiler des Projektes, das Caritas international in Kinshasa unterstützt. Während dieser Zeit besuchen die jungen Menschen einzeln oder in Gruppen Betreuungsangebote. So werden sie gezielt gefördert, um gestärkt und gut vorbereitet auf ihre künftige Ausbildung bei einem lokalen Handwerksbetrieb beginnen zu können.

Um eine Wiedereingliederung von straffälligen Kindern und Jugendlichen in ihre Familien und in die Gesellschaft zu erleichtern, unterstützt Caritas international die Arbeit einer Kinderrechtsorganisation. Mit dem Bureau National catholique de l’enfance (BNC) werden Fortbildungen für städtische Sozialarbeitende durchgeführt. Ehrenamtliche Helfer und Helferinnen, die eine Begleitung der Kinder und Jugendlichen nach der Zeit der Ausbildung übernehmen, werden in Schulungen auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Kinder haben Rechte – auch während des Strafvollzugs

So möchte das Projekt erreichen, dass die Rechte und die Würde von Jugendlichen im Gefängnis respektiert werden. Akzeptable Haftbedingungen zu schaffen und einen fairen, schnellen Prozess zu ermöglichen, sind hier wichtige Ziele. Auch braucht es gut überlegte und mit allen Akteuren abgestimmte Schritte, um jene Jugendlichen, deren Entlassung erreicht wird, in ihre Familien oder in Heime und Schulen zu integrieren. So werden mehr als 400 Kinder und Jugendliche von den Sozialarbeitenden des Projektes betreut und auf ihr Leben gut vorbereitet. Wenn es gelingt, eine Berufsausbildung zu vermitteln – etwa in einem Handwerksbetrieb, ist ein wichtiger und großer Schritt getan. Die langfristige Betreuung auch während dieser Zeit kann den Jugendlichen vermitteln, dass sie mit ihren Sorgen nicht alleine gelassen werden und in Momenten der Schwäche eine Vertrauensperson haben, an die sie sich wenden können.

Juni 2018