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Bolivien: Eine sichere Existenz

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Ein Kleinbauer im Gespräch mit einem Caritas-Mitarbeitenden.Ein Kleinbauer im Gespräch mit einem Caritas-Mitarbeitenden.Foto: Caritas international

Der natürliche Lebensraum der Kleinbauern und indigenen Völker in den beiden Regionen „Bolivianische Yungas“ und „Südwestlicher immerfeuchter Amazonastropenwald“ ist in Gefahr. Die unklare Rechtslage sorgt dort für Umweltzerstörung, Landraub, unkontrollierte Entwaldung, fehlende Ernährungssicherheit und eine zunehmende Verdrängung der Bevölkerung.

Selbstversorgung sichern

Gemeinsam mit Caritas Bolivien und den lokalen Caritas-Organisationen der beiden gefährdeten Regionen arbeitet Caritas international an einer Stärkung der betroffenen Gemeinden. Sie sollen langfristig befähigt werden, sich selbst zu versorgen und sich den klimatischen Veränderungen anzupassen.

Dazu wird hochwertiges, lokales Saatgut und entsprechendes Werkzeug angeschafft für die Anlage von Agroforstsystemen, Haus- und Schulgärten, die die zukünftige Selbstversorgung sichern. Vorgesehen sind Katastrophenfrühwarnsysteme, Gewächshäuser und Zentren zur Lagerung, Weiterverarbeitung und zum Verkauf von Erzeugnissen aus ökologischer Landwirtschaft.

Mann hält eine große Zucchini in die Kamera.Dieser Kleinbauer freut sich über seinen Ernteerfolg.Foto: Caritas international

Die enge Begleitung der Gemeinden und der gegenseitige Austausch sind entscheidende Erfolgsfaktoren für das Projekt, und so werden in beiden Gebieten Experten-Teams eingesetzt. Universitäten, Forschungseinrichtungen und Behörden betreuen die Maßnahmen wissenschaftlich fundiert. Die Gemeinden selbst erhalten Weiterbildungen und Praxisworkshops, unter anderem in Agroforstwirtschaft, Klimawandel und Nutzung von Nichtholzwaldprodukten.

Mit Bürgerbeteiligung wird außerdem die Raumordnung unter Berücksichtigung natürlicher, sozialer und kultureller Ressourcen für die Gemeinden verwaltungsrechtlich festgelegt.

Zur Situation

Rund 43 Prozent der Fläche Boliviens gehört zum Amazonastiefland, auch Amazonasbecken genannt. Die Landschaft ist geprägt von Regenwäldern mit großer Artenvielfalt in Flora und Fauna und wird durchzogen von einem weitreichenden Geäst an Flüssen. Das Gebiet ist reich an Ressourcen wie Erdöl, Erdgas, Mineralien, Wasser und Wald. Die exzessive, exportorientierte Rohstoffgewinnung durch zumeist multinationale Unternehmen zieht weitreichende Entwaldungen und Verschmutzungen, Monokulturen und industrialisierte Landwirtschaft nach sich. Betroffen davon sind vor allem die dort lebenden Kleinbauern und Indigenen, die 20 Prozent der bolivianischen Bevölkerung ausmachen. Ihr kulturelles Erbe, ihre Existenz und Ernährungssicherheit sind bedroht. Ständig stehen sie in Konkurrenz mit Unternehmen und Staat um die Nutzung des Bodens. Zwar berücksichtigt und regelt die bolivianische Verfassung Eigentums- und Nutzungsrechte am Wald und räumt den Kleinbauern und Indigenen bedeutende Rechte ein, doch auf verwaltungsrechtlicher Ebene werden diese aus Unkenntnis und widersprüchlichen wirtschaftlichen Interessen nicht eingelöst.

 

Februar 2018