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Irak: Behinderungen sind kein Grund zur Scham

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Caritas Irak unterstützt Familien mit körperlich und/oder geistig behinderten Kindern und Jugendlichen bis zu 15 Jahren. Sie nehmen an einem Programm teil, das sowohl individuelle Hilfe bietet als auch dazu dient, die Rechte von Behinderten innerhalb der irakischen Gesellschaft zu stärken. Unter den Programmteilnehmern sind Kinder und Jugendliche mit Down Syndrom, mit Beeinträchtigungen der sprachlichen Entwicklung, mit Lernbehinderungen und mehrfach behinderte Kinder sowie ihre Familien.  

Förderung eines geistig BehindertenFa Salloum Mehdis Sohn Esmail (links) ist geistig behindert. Im Caritas-Zentrum hat sie gelernt, ihn zu fördern. Ihr zweiter Sohn Amir ist immer mit dabei. Caritas international

Die Caritas-Mitarbeiter/innen suchen die Eltern behinderter Kinder zunächst zu Hause auf. In einem ersten Prozess geht es darum den Eltern zu vermitteln, dass Behinderungen weder Strafe Gottes noch Grund zur Scham sind. Allein schon die Aufklärung über die Ursachen und Gründe von Behinderungen nimmt ihnen oft die Schuldgefühle. Im nächsten Schritt wird den Familien vermittelt, dass sie nicht allein sind. Die Eltern und ihre Kinder können im Caritas-Zentrum wöchentlich an pädagogischen Treffen teilnehmen. Dort tauschen sie sich untereinander aus. Zugleich lernen sie, wie sie ihre Kinder im Alltag fördern können. Die Freude über die Fortschritte der Kinder motiviert die Eltern, zu Hause weiter zu üben.

Weil sich die Behinderung der Kinder oft auf das soziale Leben der ganzen Familie auswirkt, beraten Mitarbeiter/innen der Caritas sowohl die Eltern als auch die Geschwister kontinuierlich. Zu besonderen Gelegenheiten veranstaltet das Zentrum in den Räumen der Lateinischen Kirche zudem Feste für Gönner, Mitarbeiter, Freunde, Eltern und Kinder. Die Feiern stärken den Zusammenhalt der Familien und einen solidarischen Austausch. Zugleich bezieht das Zentrum damit die Gemeinde ein und macht so Behinderung zu einem gesellschaftlichen Thema, statt es allein auf den Schultern der Betroffenen zu belassen.

Erfahrungen mit Behinderung teilen ist ein Weg der Stärkung

Öffentlichkeit herzustellen ist für eine gesellschaftliche Akzeptanz und Integration von Menschen mit Behinderungen wichtig. Deshalb organisiert die Caritas Irak Vorträge, Begegnungen zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten, einen Sporttag sowie jährlich eine Veranstaltungsreihe zur Feier des Internationalen Tags für Menschen mit Behinderungen.

Betreuer spielt mit einem Jungen KlavierÜben ist für alle wichtig Foto: Caritas international / Wolfgang Fritz

Die Palette der eingesetzten Medien ist breit und richtet sich an alle Altersklassen: Ein Puppenspiel widmet sich Ursachen, Bedeutung, frühkindlicher Förderung und der Rechte von Menschen mit Behinderung. Hör-CDs und kleine Bücher mit Kindergeschichten zur Thematik setzen pädagogisch wertvolle Impulse in der Früherziehung. Broschüren klären auf und geben den Eltern Rat und Tipps für den Alltag.

2011 hat Caritas Irak eine Spezial-Bibliothek mit Fachliteratur zur Behindertenarbeit eröffnet - zumeist in arabischer Sprache - und baut den für den Irak einmaligen Bestand weiter aus. Studierende der Sozialpädagogik nehmen an Fortbildungen der Caritas zur Arbeit mit Behinderten teil. Das Projekt kooperiert eng mit der pädagogischen Fakultät der Universität Al-Mustansiriya von Bagdad, um den wissenschaftlichen Austausch zu intensivieren, denn es gibt bisher noch keinen Lehrstuhl für Behindertenarbeit.

Um von den Erfahrungen anderer Zentren im arabischen Raum im Bereich der psychosozialen Arbeit zu lernen, vernetzt sich die Caritas Irak mit dem SETI Programm in Ägypten, das sich an der Weiterbildung und Beratung der Mitarbeiter/innen beteiligt. Eine fachliche Schulung über Autismus wird es für die Mitarbeitenden in Alexandria / Ägypten geben. Dieser grenzüberschreitende Austausch hilft dabei, die fachliche Qualität der Arbeit zu optimieren und gleichzeitig wichtige Kontakte zu knüpfen - ganz im Sinne des Netzwerk-Ansatzes der internationalen Caritas.

Juli 2016