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Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

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Im Flüchtlingslager Cox´s Bazar errichtete Caritas ein Modelldorf mit 182 Bambushütten, Brunnen, Toiletten und Räumen für Kinder. Die UN war von dem Modelldorf so überzeugt, dass sie gemeinsam mit der Regierung die Caritas mit dem Bau von über 4.000 Hütten für rund 20.000 Menschen beauftragt hat.

Ein Einblick in die Modellsiedlung.Ein Einblick in die Modellsiedlung.Foto: Ismail Ferdous for Catholic Relief Services

Vom Modelldorf zur Großbaustelle

Gerade rechtzeitig, bevor der Monsun einsetzte, war ein Großteil der Hütten fertig. „Es war ein Wettlauf mit der Zeit“, erzählt Peter Seidel, Asien-Referent bei Caritas international. Der Regen verwandelt alljährlich unbefestigtes Land in Schlammwüsten. Caritas arbeitete mit anderen Organisationen mit Hochdruck daran, gefährdete Hütten und Gelände so gut es geht zu sichern. „Die Anstrengungen, die im Lager unternommen werden, sind beeindruckend“, sagt Seidel. So sei es der Caritas gelungen, in den betreuten Arealen mit Drainagen, befestigten Wegen und besseren Unterkünften die Lager deutlich sicherer zu machen. Mittlerweile hat die Regierung auch ihre strengen Bauauflagen gelockert. Bisher durfte kein festes Baumaterial verwendet werden, nun kommen Wellblech und Betonpfeiler zum Einsatz.

Rund 1.700 Arbeiter sind täglich mit den Bauarbeiten beschäftigt. Die meisten sind selbst Flüchtlinge und können sich durch Cash-for-Work einen kleinen Verdienst erarbeiten. Gleichzeitig werden jedoch die Bewohner mit Materialien, Werkzeugen und technischer Anleitung befähigt, selbst ihre Unterkünfte zu verbessern.

Rohingya-Camp im RegenWeggeschwemmte Brücken, zerstörte Hütten und kaputte Wege. Der Monsun hat bereits viel Zerstörung hinterlassen. Doch der von der Caritas betreute Camp-Abschnitt ist weitestgehend verschont geblieben - aufgrund gut befestigter Untergründe und haltbarer Bauten. Foto: Ismail Ferdous for Catholic Relief Services

Fokus auf Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderung und ältere Personen

Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts (AA) setzt Caritas international ein Teilprojekt für 16.000 besonders schutzbedürftige Haushalte um, in denen alleinerziehende Frauen, Menschen mit Behinderung oder schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen und ältere Menschen leben. Sie werden einerseits bei der Verbesserung ihrer Unterkünfte besonders unterstützt, jedoch auch befähigt, selbst aktiv zu werden. Andererseits wird verstärkt auf ihren Schutz und ihre Sicherheit geachtet. So zum Beispiel mit Solarlampen an Wegen und bei den sanitären Einrichtungen und extra Räumen für mehr Privatsphäre. Die Einrichtung von Rampen und Handläufen erleichtert den Zugang bei körperlichen Einschränkungen. Gemeinsam mit den Flüchtlingen werden Konzepte und Katastrophenvorsorgemaßnahmen erarbeitet, die die Sicherheit in den Lagern erhöhen.

Hilfe für 400.000 Menschen

Gemeinsam mit Caritas Bangladesch leistet Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, in Kooperation mit der UN Nothilfe für 400.000 Flüchtlinge im Lager. Neben dem Bau oder der Verbesserung der Hütten werden die Menschen mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, Hülsenfrüchte, Salz, Zucker und Speiseöl, Koch- und Essgeschirr, Decken und Matratzen, Hygiene- und Babyartikeln versorgt. Weiter werden Gemüse- und Obstpflanzen zur Anlage von Hausgärten und Gaskocher verteilt.

Bessere Hygienebedingungen und psychologische Hilfe

Durch den Bau von Wasserzuleitungen und Sanitäreinrichtungen und die Abgabe von Desinfektionstabletten konnten die hygienischen Bedingungen verbessert werden. Erwachsene und vor allem Kinder, die durch die Erlebnisse, den Verlust von Angehörigen und die Flucht schwer traumatisiert sind, erhalten eine psychologische Betreuung.

Child friendly spaces In den "child friendly spaces" der Caritas können die Kinder in den für sie altersgerecht eingerichteten Räumen mit ausgebildeten Sozialarbeitern die schlimmen Erlebnisse der Flucht verarbeiten und für einen Moment vergessen. Foto: Ismail Ferdous for Catholic Relief Services

Kinderfreundliche Plätze mit Spiel- und Lernangeboten wurden eingerichtet, und mehr als 100 Caritas-Fachkräfte sind im Einsatz. "Die Menschen haben schreckliche Erfahrungen gemacht, leider auch die Kinder. Wir helfen ihnen, ihr Leid zu lindern", erklärt Mohamed Adadu, Sozialarbeiter der Caritas Bangladesch.

Dieses Projekt wird mit Mitteln vom Auswärtigen Amt (AA), Erzbistum Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt.

Zur Situation

Der Alltag der Rohingya in Myanmar ist seit Jahrzehnten von Unterdrückung, Ausgrenzung und Gewalt geprägt. Das Land akzeptiert die muslimische Minderheit nicht als eigene Bevölkerungsgruppe. Mit Militäroffensiven und der Aberkennung von Rechten wurden in der Vergangenheit nahezu 1,5 Millionen Rohingya in die Nachbarländer vertrieben. Bei einem gewaltsamen Angriff durch das Militär Ende August 2017 kam es zu einer Massenflucht. Seither suchten mehr als 700.000 Menschen Schutz im benachbarten Bangladesch, darunter viele Kinder. Die Situation in den Lagern ist prekär. Es gibt nicht genügend Unterkünfte, Nahrungsmittel, sanitäre Einrichtungen, medizinische Betreuung und Schutz für gefährdete Gruppen wie Kinder, Frauen und alte Menschen. Das bildet den Boden für Kriminalität und die Fälle von Menschenhandel, Gewalt und Drogenkonsum häufen sich. Das größte Lager befindet sich im Distrikt Cox´s Bazar, der zu den ärmsten Distrikten in Bangladesch zählt. Der Zustrom der Flüchtlinge hat die wirtschaftliche und soziale Lage für die einheimische Bevölkerung erheblich verschärft.

 

November 2018