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Äthiopien: Ziegen gegen dürre Zeiten

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Frau mit Kindern beim Melken einer ZiegeDie Ziegen helfen, die Ernährung zu sichern.Caritas international

Ziegen sind gute Klettertiere. Sie finden, sogar in recht trockenen Landschaften, fast immer etwas Verwertbares. Denn sie klettern in dornige Sträucher oder sogar auf Bäume, um sich von Blättern und Baumrinden zu ernähren. Daher sind Ziegen an die trockene Hügellandschaft in Äthiopien gut angepasst. Bedingt durch den Klimawandel treten Dürreperioden in der Provinz Oromia im Herzen Äthiopiens noch häufiger und stärker auf als früher. Wer eine Ziege hat, kann sich hier glücklich schätzen: Die Tiere geben Milch, und sie lassen sich gut verkaufen.

Immer wieder stehen die Bauern und Hirten in Oromia vor existentiellen Problemen. In den letzten drei Jahren sind insbesondere in der Verwaltungszone Arsi im Herzen Äthiopiens die Regenzeiten ausgefallen, kamen verspätet oder waren extrem verkürzt, der Belg-Regen im Frühjahr ebenso wie der Meher-Regen im Sommer. Der in diesem Jahr einsetzende Starkregen hat kaum Linderung gebracht, nicht nur, weil er wertvolle Bodenkrume mit in die Flüsse riss. Viele Familien hatten kein Saatgut mehr für die Aussaat. Um das Überleben zu sichern, waren viele gezwungen, ihre Nutztiere zu verkaufen, um mit dem Erlös Lebensmittel zu erwerben.

Hungerkrisen sind in Arsi leider keine Seltenheit: Wenn die Ernte mehrfach ausfällt und die Tiere aufgrund der anhaltenden Dürren kein Weideland mehr finden, dann kommt es darauf an, wie viele Reserven eine Familie noch hat, um die tägliche Mahlzeit zu sichern. Die meisten der hier lebenden Bauernfamilien haben keine finanziellen Rücklagen, kein Saatgut, kein Einkommen - und schlimmstenfalls nicht einmal mehr Tiere. Jede weitere Dürre bedroht ihre Existenz. Sie brachen dringend Ochsen, Ziegen, Saatgut und Dünger, um bei wieder einsetzenden Regenfällen ihre Felder überhaupt bewirtschaften zu können.

Teff und Tierhaltung in dürren Zeiten

Caritas international hat deshalb zusammen mit lokalen Partnerorganisationen, insbesondere der Diözese Meki, bereits im letzten Jahr ein umfassendes Hilfsprogramm gestartet, um insgesamt rund 10.000 besonders stark betroffene Familien zukünftig von externen Nahrungshilfen unabhängig zu machen. Die Hilfe setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: Saatgut, Bienenzucht, Viehzucht und dazu die richtige Anleitung für erfolgreiche Anbautechniken und gesunde Tierhaltung.

In vier ländlichen Gemeinden des Distriktes Robe erhalten 500 Familien mit jungen Frauen als Haushaltsvorstand sowie 280 arbeitslose Jugendliche jeweils zwei Ziegen oder Schafe. Auf diese Weise können sie Milch und Fleisch produzieren um damit sich und ihre Kinder zu ernähren - andere erwirtschaften durch die Ziegenzucht ein zusätzliches Einkommen. Da der Umgang mit Ziegen gelernt sein will, erhalten die Frauen und Jugendlichen zudem von Fachleuten eine Schulung. So können die Tiere Geld einbringen, wenn nach erfolgreicher Zucht und Vermehrung der Weiterverkauf die Einkommenssituation der Familien verbessert.

Caritas fördert und bevorzugt Kleinbauernfamilien, die besonders harte Lebensbedingungen haben. Sie erhalten zusätzliche Unterstützung mit weiteren Pflanzen, wie zum Beispiel Getreide, Obstbaum- oder Gemüsesetzlingen. 1.800 Haushalte werden mit Saatgut und Dünger versorgt. Eine große  Bedeutung hat hier die Zwerghirse Teff, eine alte lokale Getreideart, die an die kargen Böden angepasst ist und für das in Äthiopien traditionelle Fladenbrot verwendet wird. Bis Ende des Jahres erhalten 1.800 Familien dieses wertvolle Getreidesaatgut zusammen mit dem richtigen Dünger, für je 47 Euro. Neben Teff und Dünger sind auch Samen für trockenheitsresistente Futtergräser wichtig, damit Ochsen, Schafe und Ziegen auch in der Trockenzeit vor Ort versorgt sind. Die Ausgabe des Saatguts ist verknüpft mit theoretischen und praktischen Fortbildungen zu modernen Produktionstechniken und Erntemethoden.

Jede Ziege ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer eigenen Herde Jede Ziege ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer eigenen Herde Foto: Jeannie O'Brien/ Caritas Internationalis

Aus eigener Kraft die eigene Ernährung sichern

Während man früher etwa alle zehn Jahre eine Dürrezeit erwartete, rechnet man inzwischen, auch bedingt durch den fortschreitenden Klimawandel, alle zwei Jahre mit Ernteausfällen. Die Familien in der Region haben bisher kaum Gelegenheit, Notvorräte anzulegen. Viele verkaufen in solchen Zeiten notgedrungen ihre letzten verbliebenen Tiere weit unter Wert an reiche Bauern, um überhaupt überleben zu können. Die Ziegen helfen von Dürre betroffenen Menschen ein neues Leben aufzubauen

Aus eigener Kraft die eigene Ernährung sichern - das ist das Ziel, das die Partner von Caritas international gemeinsam mit kleinbäuerlichen Familien verfolgen. Gemeinsam mit einheimischen Fachkräften vor Ort unterstützt Caritas international die hier lebenden Familien im traditionellen Anbau. Denn die kleinbäuerliche Landwirtschaft muss gefördert werden, mit möglichst vielen verschiedenen Produkten, die nicht nur vom Regen abhängen. Die tatkräftige Unterstützung der Caritas zielt auf eine sichere Ernährung derjenigen, die keine andere Chance haben, als von der Landwirtschaft zu leben.

Durch Ihre Unterstützung können Sie dazu beitragen. Danke!

August 2016